Texterl zum Tage


Wenn du jemand in gefährliche geistige Gewässer mitnimmst, musst du auch bereit sein, ihm im Notfall wieder heraus zu helfen.

WF

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Plugin von Oliver Schlöbe

Wie Popper den richtigen Lichtschalter fand

Auflösung und Gewinner_innen unseres Sommerferien-Preisrätsels 2016

Anfangs war’s etwas zäh, aber gegen Ende trudelte dann doch noch ein Schwung richtiger Lösungen zum diesjährigen Sommerferienrätsel ein; vielleicht haben ja manche ihre Synapsenfunktionen erst da wieder auf die Anforderungen des neuen Schuljahres justiert. Jedenfalls konnte unsere Losfee aus dem 26er-Packerl wieder drei Gewinner_innen ziehen, zunächst aber mal die Lösung:

literarische cartoonsUm herauszufinden, welcher der drei Schalter im Keller das Licht oben im Arbeitszimmer anmacht, fällt Karl Popper gleich eine physikalische Eigenschaft der Glühbirne ein: sie wird beim Leuchten ziemlich heiß! Also betätigt Popper Schalter 1, den er nach etwa einer Minute wieder zurückstellt, um Schalter 2 umzulegen. Dann eilt er zu seinem erlaubten Test hoch ins Arbeitszimmer und prüft die Glühbirne. Ist sie aus, aber recht warm, muss Schalter 1 der richtige gewesen sein. Ist sie aus und kalt, kann nur Schalter 3 in Frage kommen (wenn die Birne leuchtet, isses natürlich der noch auf on stehende Schalter 2). Und somit hatte sich – wie eine Rätsellöserin bemerkte – der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper sein Glaserl Wein und ein friedliches „Servus“ von Ludwig Wittgenstein verdient.

Je eins der „Literarischen Cartoons“ aus dem Holzbaum-Verlag haben gewonnen: David Bodensohn (Mönchengladbach), Michael Huber (München) und Susanne Schnitzler (Hamburg) – die Bücher werden umgehend postalisch zugesandt.

Hoffe, allen Miträtslern hat’s wieder etwas Spaß gemacht und wer sich selber eine kleine, hierher passende Rätselstory ausdenken und mir zusenden mag, der erhält im Falle einer Veröffentlichung ebenfalls eine ‚fette‘ Buch- oder CD-Belohnung und wird natürlich als Gastautor_in ‚verewigt‘. Das nächste Logik-Preisrätsel gibts dann wie gewohnt an Silvester…

wf

Sommerpreisrätsel 2016: Als Wittgenstein Karl Popper in den Keller schickte

Hohe Intelligenz schützt den Menschen nicht unbedingt davor, gelegentlich skurriles Verhalten an den Tag zu legen und die beiden Hauptdarsteller unseres  diesjährigen Sommerferienrätsels galten sogar, jeder auf seine Weise, als einigermaßen schwierige, strapaziöse Zeitgenossen hinsichtlich ihrer sozialen Interaktionen. Zur Lösung des Rätsels braucht Ihr diesmal keine mathematischen Fähigkeiten (wir haben die diesbezüglichen Beschwerden der geneigten Leserschaft zur Kenntnis genommen), logisches Denken und ein wenig Alltags-Physik reichen aus (es muss halt, diesmal sogar im Wortsinne, „Klick!“ machen) – und natürlich gibt’s auch wieder was zu gewinnen…

 

wittgenstein-popperWahrscheinlich haben einige von Euch schon von der Geschichte gehört, dass Ludwig Wittgenstein seinen Kollegen Karl Popper eines Abends im Oktober 1946 in einem Appartment des King’s College Cambridge mit einem glühenden Feuerhaken bedroht haben soll. Es hätte eigentlich eine gesellige Runde mit lockeren Debatten werden sollen, bei der neben weiteren Philosophen angeblich auch Altmeister Bertrand Russell anwesend war. Was dann genau geschah, ist auf Grund widersprüchlicher Zeugenaussagen im Nachhinein schwierig zu klären, doch die BBC-Journalisten David J. Edmonds und John A. Eidinow haben es immerhin versucht und ihre Recherchen in der amüsanten Philo-Krimigroteske „Wie Ludwig Wittgenstein Karl Popper mit dem Feuerhaken drohte“ veröffentlicht. Sicher scheint zu sein, dass die beiden Exil-Wiener, die sich an jenem Abend zum ersten und einzigen Mal begegneten,  in Streit darüber gerieten, ob philosophische Probleme nur therapiebedürftige sprachliche Krampfzustände seien oder ob die eher durch einen auf Empirie und Falsifikationsmöglichkeit beruhenden kritischen Rationalismus lösbar seien. Es kam offenbar zu Missverständnissen, und als Popper frozzelte, Wittgenstein sei selber die Fliege, die den Ausweg aus dem Fliegenglas nicht finde, soll also dieser Feuerhaken ins Spiel gekommen sein.

Nun werden in diesem hübschen Büchlein zwar ausführlich die philosophischen und privaten Befindlichkeiten der Protagonisten (und überhaupt der Philo-Szene jener Jahre) vor dieser vermeintlichen Untat geschildert, doch wie es letztlich ausging, bleibt auch dort – wie meistens in der Philosophie – im Spekulativen. Hat Wittgenstein doch noch klein beigegeben und – wie meistens in solchen Fällen – geäußert „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“? Wie lang hat der Feuerhaken noch nachgeglüht? Hat sich Popper ob einer gelungenen Falsifikation die Hände gerieben? Der Feuerhaken jedenfalls war danach verschwunden.

Was den beiden Journalisten verborgen blieb, wurde aber uns – wie meistens in solchen Rätselfragen – aus anonymer Quelle zugetragen und der zufolge entwickelte sich der weitere Abend etwa so:

Es war schon nach Mitternacht, als sich die Runde auflöste, nur Wittgenstein und Popper waren noch übrig geblieben. Da meinte Wittgenstein: „So, Karl, eigentlich möchte ich ja ohne Groll mit dir auseinandergehn, aber dafür musst du mir beweisen, dass dein empirisches und falsifikatorisches Denkvermögen sich auch in der Lebenspraxis bewährt.“ Dabei drohte er erneut Popper mit dem Feuerhaken und bugsierte ihn in den Keller, wo drei Lichtschalter nebeneinander an der Wand hingen. „Einer dieser drei Schalter knipst die blanke Glühbirne oben in meinem Arbeitszimmer an, wo ich nun im Dunkeln auf dich warten werde“, sagte Wittgenstein, „Und wenn du wieder herauf kommst und du hast den richtigen Schalter umgelegt, so dass die Glühbirne bei mir oben leuchtet, werde ich dich für glaubwürdig halten. Wenn du mehr als einen Schalter gleichzeitig auf on stellst, wird es dunkel bleiben. Aber du darfst einmal vorher zum Abchecken hochkommen, bevor du dich endgültig auf einen Schalter festlegst.“ Als Popper zum Einverständnis nickte, stellte Witttgenstein den Feuerhaken nun doch in einer Ecke des Kellers ab (wo man ihn letztlich vergaß) und begab sich in sein dunkles Arbeitszimmer, wo er auf Popper wartete. Und ja, Ihr habt es sicher schon geahnt, die Glühbirne leuchtete, als Popper zum zweiten Mal aus dem Keller ins Arbeitszimmer kam, sich noch ein Glas Wein einschenkte und dann friedlich von Wittgenstein verabschiedete.

Rätselfrage: Mit welcher Vorgehensweise (ohne technische Hilfsmittel) konnte Popper sicherstellen, dass er den richtigen Schalter betätigte, bevor er nach nur einem Ausprobierer zum zweiten Mal nach oben kam?

literarische cartoonsWer die richtige Lösung ausgetüftelt hat und was gewinnen möchte, kann sie uns gern per email zusenden (bitte nicht hier in den Kommentaren posten!) – unter allen richtigen Einsendungen werden dieses Mal drei Exemplare derLiterarischen Cartoons  verlost, die uns der Holzbaum-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Und gebt bitte auch eure postalische Adresse für eine mögliche Gewinnzusendung mit an.
Einsendeschluss ist wie immer das Ferienende in Bayern, heuer also Montag, der 12. September 2016.

Und übrigens: Wer sich mal selber eine originelle Philo-Rätselstory ausdenkt, die hier zur Veröffentlichung taugt, immer her damit! Dank & Belohnung garantiert…

wf

50 Jahre Jazz Festival Montreux

Gerade ging das 50. Jazz Festival von Montreux zu Ende und eine Viertelmillion Besucher konnte wieder gut zwei Wochen lang eine Weltstar-Parade aus Jazz, Blues, Rock, Pop und Latin erleben, mit den Höhepunkten eines gemeinsamen Auftritts von Herbie Hancock, John Scofield, Brad Mehldau und John McLaughlin sowie einer exquisiten Brazil Night. Dabei stand diese Mischung, dieses In- und Nebeneinander verschiedener Musikstile, fast von Anfang an unter Kommerzverdacht seitens der Jazzpolizei, die den ‚Supermarkt-Charakter‘ des Festivals kritisierte.
Tatsächlich konnte der Begründer und jahrzehntelange Leiter des Festivals, Claude Nobs, dieses Event überhaupt erst Dank seiner Funktion und Ambitioniertheit als stellvertretender Direktor des Fremdenverkehrsvereins von Montreux auf die Beine stellen, mit einem Wachstum von einem anfänglichen Minibudget von 10.000 SFr für drei Konzertabende im Casino auf nunmehr über 30 Millionen SFr Etat für 17 Bühnen,  darunter das Auditorium Stravinski, die Miles Davis Hall und die kleineren Locations des Off-Festivals. Aber um so etwas hinzubekommen, reichen natürlich kein noch so gutes buchhalterisches Kalkül eines Touri-Managers und die märchenhafte Lage an der Schweizer Riviera, zwischen dem Genfer See und den Alpen. Dazu brauchte es vor Allem Musikenthusiasmus, überzeugendes Networking und die Energie des omnipräsenten Tausendsassas, wie ihn Claude Nobs verkörperte. Der wahrscheinlich auch der einzige Veranstalter ist, der in einem Welthit mit Nennung seines Vornamens verewigt wurde, nämlich als „Funky Claude“ in Deep Purples „Smoke on the Water„, das ja 1971 bei Aufnahmen in Montreux entstand, nach dem dortigen Casinobrand, bei dem Claude Nobs zum Retter vieler Konzertbesucher wurde.
Nach Nobs‘ Unfalltod Anfang 2013 übernahm Mathieu Jaton die Leitung des Festivals und führt es in dessen Geist weiter: „Wir teilen einfach die Musik. Wir mixen die Künstler. Wir befreien die Musik. Wir bringen zum Beispiel Hip-Hop und Blues zusammen. All die Jungs kommen hierher und teilen ihre Musik. Das ist der freie Geist des Jazz und die Idee von Montreux.“

Festival-Plakat 1982 von JeanTinguely

Viele Festivalplakate wurden von renommierten Künstlern gestaltet – hier das 1982er von Jean Tinguely

Die Besetzungslisten aus 50 Jahren Festivalgeschichte  spiegeln diese Vielfalt und musikalische Klasse, man sah & hörte unter Anderem: Charles Lloyd (dessen Quartett mit Keith Jarrett, Cecil McBee und Jack DeJohnette 1967 den Opener des ersten Festival gab), Les McCann, Ella Fitzgerald, Nina Simone, Aretha Franklin, Count Basie, Art Blakey, Dexter Gordon, Oscar Peterson, Monty Alexander, Herbie Hancock, Lionel Hampton, Lester Bowie, Wynton Marsalis, Randy Brecker, Carmen McRae, Pat Metheny, Pasadena Roof Orchestra, Gil Evans, Keith Jarrett, Marianne Faithfull, Led Zeppelin, Frank Zappa, Sting, Queens of the Stone Age, Simon & Garfunkel, Mike Oldfield, Sonic Youth, Jethro Tull, Carlos Santana, Audioslave, Peter Tosh, Roberta Flack, Leonard Cohen, Ofra Haza, James Brown, John Lee Hooker, Jamiroquai, Paolo Conte, Nina Corti, Etta James, Johnny Cash, Van Morrison, Marvin Gaye, George Benson, Keziah Jones, Stevie Ray Vaughan, Rory Gallagher, Albert King, Deep Purple, Prince, Muse, Radiohead, Talk Talk, Ray Charles, Toto, Miss Kittin, The Hacker, The Moody Blues u.v.a.

Die Geschichte und Atmosphäre des Festivals wurde zum Jubiläum in einer sehens- und hörenswerten ARTE-Doku vom 16.7.2016 nachgezeichnet (online zu sehen bis zum 6.8.).

Das Erfolgskonzept von Montreux hat auch viele andere große und kleine Jazz-Festivals in ganz Europa beeinflusst, so dass es kaum noch welche gibt, die sich allein dem pure Jazz verpflichtet fühlen; fast überall wird auch gebluest, gerockt und stilübergreifend gejammt. Manche haben mittlerweile sogar den Begriff Jazz aus ihrer Namensgebung gestrichen, wie etwa Moers. Denn solche Events fressen richtig Kohle, die allein aus Kulturfördertöpfen und Sponsoring nicht mehr herangekarrt werden kann. Aber nicht nur Zugeständnisse an den ‚Massengeschmack‘ haben diese Entwicklung befördert. Auch bei musikalischen Qualitätszuschreibungen steht der Begriff Jazz längst auch für stilistische Offenheit und Toleranz, kulturell-ästhetische Symbiosen und Austausch, Mut zu Grenzgängen und Neugier auf Experimente – alles Attribute, die einer Offenen Gesellschaft gerade heutzutage gut anstünden. Den übrig gebliebenen old-fashioned Jazznoses hat ja in den 1960ern schon Frank Zappa (vor seinem Montreux-Auftritt) ins Gebetbuch geschrieben: „Jazz isn’t dead, it just smells funny.“ Um dann bekanntlich selber sein musikalisches Schärflein dazu beigetragen, den Jazz von diesem ‚funny smell‘ zu entlüften. Und die immer wieder prognostizierte Agonie des Jazz kommentierte der Saxophonist Sonny Rollins so: „Jazz geht immer weiter, es gibt kein Ende, sondern immer etwas Neues.“

 


Die Musikauswahl zu diesem Beitrag fiel mir angesichts der vielen hochklassigen Mitschnitte nicht ganz leicht, aber wenn hier die stilistische Vielfalt schon so gelobt wurde, für die  Prince als „Meister aller Klassen“ stand wie kein anderer Musiker, hab ich mich für ein Stückerl von ihm entschieden. Prince war erst ab 2007 (und dann noch mehrmals) dabei, und sang bei seinem letzten Auftritt eine seiner schönsten Liebesballaden:


Ein hübsches Beispiel, wie bei den Montreux-Experimenten auch manch alte Pop-Hits soulfunky aufgebrezelt wurden, zeigt hier Jamiroquai mit seiner Interpretation des 1966er-Sommerhits „Sunny“ von Bobby Hebb:

 

Alle Konzerte der 50 Festivals wurden in voller Länge aufgezeichnet und das daraus entstandene Ton- und Filmarchiv mit Aufnahmen von über 4000 Bands wurde 2013 in das Weltdokumentenerbe aufgenommen. Einen Teil davon findet Ihr unter dem Suchbegriff Live at Montreux on YouTube.

wf

Philosophisches zur Fußball-EM

In kaum einem anderen Land genießt der Fußball in Intellektuellenkreisen so hohes Ansehen wie in Frankreich, spätestens seit der philosophierende Amateur-Fußballer Albert Camus bekannte: „Was ich am sichersten über Moral und menschliche Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Sport.“ Und sein langjähriger Freundfeind Jean-Paul Sartre, der Fußball nach der Eintrübung seines Verhältnisses zu Camus angeblich nur noch heimlich schaute, haute den Evergreen raus: „Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“ Und wenns dann mal für die eigene Mannschaft tatsächlich nicht so gut läuft und der gegnerische Fanblock in Spottgesängen frohlockt, kann der existenzialistisch verfasste Fußballfan (und welcher Fußballfan ist das nicht) sich mit Sartes tiefer Einsicht trösten: „Die Hölle, das sind die anderen.“

Nun könnten wir von mancherlei weiteren Qualen aus dieser Hölle berichten, wie Tribalismus, Nationalismus, Rassismus, Körperverletzung, Sexismus, Homophobie, Doping, Sportwettbetrug, Funktionärsbestechlichkeit, Panini-Sammelsucht und anderen unschönen Dingen, die mit dem Fußball auch verbandelt sind. Doch die blenden wir in der Hoffnung auf ein spannendes, faires und terrorfreies Turnier jetzt mal aus und lassen uns die Fußball-Laune auch nicht von George Orwells pessimistischer Sport-Philosophie vermiesen, in der er schon 1938, kurz nach der Berliner Nazi-Olympiade, eine böse Ahnung anklingen ließ: „Ich bin jedesmal erstaunt zu hören, wenn die Leute sagen, der Sport schaffe guten Willen zwischen den Völkern, und wer auf dem Sportplatz zusammentreffe, sei dadurch weniger geneigt, auf einem Schlachtfeld zusammenzutreffen.“
Träumen wir lieber mit Bertrand Russell, dass sich die Menschheit mit Hilfe des Sports auf einem langsamen Weg der Besserung befinde: „Die Instinkte, die früher unsere wilden Vorfahren zur Jagd und zum Fischfang trieben, verlangen nach einem Betätigungsfeld; wenn sie nichts anderes finden können, verwandeln sie sich in Haß und Bösartigkeit. Aber gerade für diese Instinkte gibt es Betätigungsfelder, die frei vom Bösen sind. An die Stelle von Vernichtungskampf kann Wettbewerb und aktiver Sport treten.“

gunter gebauer philosophie des fußballsRechtzeitig zur EM hat nun der Sportsoziologe und Philosoph Gunter Gebauer  eine „Philosophie des Fußballs“ in Buchform vorgelegt (Das Leben in 90 Minuten, Pantheon Verlag München, 318 Seiten). Zwar kein ganz neuer Gedanke, dass sich der Fußball zu einer „Metaphysik der Gegenwart“ entwickelt hat und dabei primär „die unteren Regionen der Psyche“ anspricht, aber Gebauer wills genauer wissen und holt sich zur Unterstützung etliche Top-Kicker mit aufs Spielfeld dieser These. Klar ist auch Sartre mit seiner „Philosophie der Emotionen“ dabei,  auch Max Weber, Michel Foucault, Pierre Bourdieu, Stanley Cavell, Wittgenstein und Nietzsche, Pelé und Zidane – kurze und lange Denk-Pässe in einem amüsanten Wechsel ganz im Sinne des Coaches Albert Einstein: „Man sollte den Fußball so ernst nehmen wie möglich. Aber auch nicht ernster.“
(Eine ausführliche Rezi zum Buch hat Helmut Böttiger in der SZ verfasst.)

So manchem Kommentator der kommenden EM-Spiele könnte es sicher nicht schaden, sich mit Gebauers Buch ein wenig intellektuellen Hintergrund zu verschaffen – von den paar Millionen Heim- & Hobby-Trainern mal ganz abgesehn – auch wenn die Philosophie von Spiel zu Spiel sich ändert, quasi vom Abstrakten zum Story Telling, zur Konkretisierung im Einzelfall, der ja „die Unsicherheit der Existenz zeigen und den Menschen in offene Situationen stellen soll“ (Gebauer). Wenn das eine entscheidende Tor fällt oder eben auch nicht, spielt es für den echten Fan keine große Rolle mehr, auf welcher Basis-Philosophie der Erfolg oder Misserfolg beruhte.
Wer allerdings vor hat, beim Public Viewing mit etwas Bescheidwisser-Lametta zu glänzen, kommt um ein Grundstudium der diversen Spielstil-Philosophien nicht herum; eine Übersicht dazu von Antifussball über Catenaccio bis zu Tiqui Taca findet ihr bei der Spielverlagerung.

wf

Fußball-Europameisterschaft der Philosophen

Da sich bekanntlich alle Philosophen zu allen Zeiten mit dem Konkurrenz-System Fußball auseinandersetzten, ist es nicht verwunderlich, dass sie sich auch mit dessen pragmatischen Aspekten beschäftigten und sich immer wieder mal in corpore aufs Spielfeld begaben. Das bekannteste aller ausgetragenen Spiele (das ihr wahrscheinlich auch schon mal gesehn habt) war sicherlich das Endspiel um die Europameisterschaft der Eternal All Stars zwischen den Griechen und den Deutschen in München. Aber weils bis zum spektakulären und natürlich umstrittenen Schluss so spannend war, haben wir es gern für euch noch einmal augegraben:

 

Monty Python

Bedingungsloses Grundeinkommen und das Radfahrerprinzip

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Wenn demnächst per Volksabstimmung in der Schweiz über die mögliche Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens entschieden wird, geht das nicht nur die Schweizer was an. Sollte diese alte Idee die Chance auf einen landesweiten Praxistest bekommen, wird mindestens die halbe Welt genau hingucken, was dann passiert, denn „egal, ob man das Grundeinkommen begrüßt oder […]

Peter Lustig erklärte den Kindern die Welt

Peter Lustig

Alles Philosophieren beginnt mit Beobachten und Fragen, und wenn Kinder damit anfangen, stehen ihre Fragen natürlich im Zusammenhang mit ihrer erfahrbaren Umwelt, mit dem wunderlichen Geschehen in der Natur, im Garten, am Himmel, in ihren Körpern, den Geheimnissen der Technik. Kinder sind Empiriker und Sensualisten, und dabei schon früh zu kritischem Hinterfragen aufgelegt […]

Wie der Jazz mich mit Roger Willemsen versöhnte

Roger_Willemsen_auf_der_Buchmesse_Leipzig_März_2014

Manchmal stimmt es ja, dass der erste Eindruck, den ein Mensch auf uns macht, sich später bestätigt; oft aber führt der erste Eindruck nur zu einem voreiligen Abhaken, zu einem der Kontingenz ungünstiger Umstände entwachsenen Vorurteil, zu dessen Revision es erst neuer, anderer Situationen bedarf, in denen die Voreingenommemheit durch ein positives Überraschungsmoment […]

Sind wir zur Gewalt verurteilt?

Jan Luyken - Hexenverbrennung

Der Evolutionsbiologe Franz Wuketits sucht nach den Wurzeln von Mord, Krieg und Terror

Die Schicksalsfrage der Menschheit scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden.

Sigmund Freud

 

Schon Freud gab nichts […]

Wie Epikur den Lügner entlarvte

Lösung des Neujahrsrätsels 2016: der dritte Mann muss die Gartenparty verlassen

Um unser diesjähriges Neujahrsrätsel zu lösen, waren weder Kenntnisse der Wahrscheinlichkeitsrechnung noch der formalen Logik oder gar Vorurteile gegen Kreter nötig. Es genügte ein alltagstaugliches Verständnis von der Widerspruchsfreiheit ‚wahrer‘ Aussagen. Diesen Rätsel-Typ gibt es in unzählichen Varianten, wobei es im ‚Normalfall‘ […]

Neujahrsrätsel 2016 – Neue Gäste in Epikurs Garten

Epikur - Louvre Paris

Als der griechische Philosoph Epikur in einem Garten von Athen seine Schule eröffnete, fand sich bald eine ansehnliche Schar von Anhängern ein, die ihn wie einen Guru verehrten. Aber nicht weil dort Orgien der Lust gefeiert wurden (wie manche heute noch glauben), sondern weil seine Lebenskunst-Philosophie eine Freiheit von Schmerz, Unruhe und Furcht […]

Die Unruhe der Welt

Francisco de Goya

Ralf Konersmann über die Weigerung, die Dinge auf sich beruhen zu lassen

Seid ihr auch immer unterwegs, getrieben von dieser inneren Unruhe, etwas zu erreichen, euch zu verändern, die Dinge verbessern zu wollen, eine mögliche Welt mehr zu schätzen als die bestehende? Ist diese Inquietas eine anthropologische Konstante, die den Menschen qua natura […]

Zum ewigen Frieden dauerts noch

Immanuel Kant

Uralte, kinderklugnaive und somit wohl zu schwierige Preisfrage: Warum dürfen im Theater dieser Welt so viele Idioten in Hauptrollen mitspielen? Wo es doch in allen Bibliotheken in allen Kulturkreisen dieser Welt genügend Worte zu finden gäbe, die beim Nachdenken über Ver-Antwortung in wichtigen Rollen hilfreich sein könnten. Beispielsweise der in viele Sprachen übersetzte […]