Ein Indianersong zum Pow Wow in Kopenhagen

Ob’s was helfen wird, dass auch 56 renommierte Zeitungen aus 44 Ländern einen gemeinsamen Appell zum Handeln an die in Kopenhagen versammelten Unterhändler gerichtet haben? Die nordamerikanischen Indianer jedenfalls versprachen sich mehr Erfolg von einem wichtigen Pow Wow, wenn sie sich vor jeder Sitzung mit dem gemeinsamen Singen eines Kultliedes aufeinander einstimmten und dazu heiliges Wasser reichten.

Bei den mittlerweile fast ausgestorbenen  Kaw hieß der Song “Witchi Tai To”, frei übersetzt etwa “Wasser = Leben”, der 1968 von dem Stammesmitglied Jim Pepper (1940 – 1992) mit Erlaubnis des Ältestenrats als leichtfüßige Jazznummer arrangiert, eingespielt und sogar zu einem Top-Ten-Hit in den USA wurde.
Peppers Anliegen war dabei durchaus auch politisch, da er mit der Verschmelzung von Jazz und American Native Music auf die Kultur und die soziale Situation der Indianer aufmerksam machen wollte. Als “Lohn” dafür wurde er vom Musikbusiness über den Tisch gezogen, indem man dem Ahnungslosen für ein paar Dollar sämtliche Rechte an seinem Song abgeschwatzt hatte. Pepper war für das Musikbusiness nicht geschaffen und zog sich in den siebziger Jahren in die entlegenen Reservate Alaskas als Jäger und Fischer zurück. Erst der Trompeter Don Cherry, selbst halbindianischer Herkunft, stöberte Pepper nach Jahren auf und unterstützte den Aufstieg des Saxophonisten zu einer weltweiten Leitfigur des Ethno-Jazz.

Für das Intro seiner ersten, längst vergriffenen Platte von 1968 konnte Pepper seinen Vater und einige seiner Stammesbrüder überreden, den Original-Pow-Wow-Sound einzusingen.
Hier nun also zum Einüben für alle Teilnehmer in Kopenhagen, für spätere Konferenzen und für alle Kinder, die gern ums Lagerfeuer tanzen und singen, diese Originalaufnahme nebst indianisch-englischem Text; Musikvideos gabs damals noch keine, aber weil der Song so zeitlos schön ist, gibt’s ihn halt in ganzer Länge, wenn auch in mäßiger Klangqualität, zum Standbild ;-)

(Wenn das Video nicht angezeigt wird, hier klicken!)

Witchi Tai To

D - D/C - D/Bm - G - Esus - A
Witchi Tai To Gim-Mie Rah
Whoa Ron-Nee Ka
Whoa Ron-Nee Ka
Hey-Ney Hey-Ney No Wah 

Witchi Tai To Gim-Mie Rah
Whoa Ron-Nee Ka
Whoa Ron-Nee Ka
Hey-Ney Hey-Ney No Wah 

Water Spirit Feelings
Springin' Round My Head
Makes Me Feel Glad
That I'm Not Dead 

Witchi Tai To Gim-Mie Rah
Whoa Ron-Nee Ka
Whoa Ron-Nee Ka
Hey-Ney Hey-Ney No Wah.

Portrait von Jim Pepper in “Jazzdimensions”

cd pepper pow wow

CD “Peppers Pow Wow”
(digitally remastered)

 wf

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  3 comments for “Ein Indianersong zum Pow Wow in Kopenhagen

  1. Szusza
    11. Dezember. 2009 at 13:41

    Das Tanzen und Singen um ein großes Lagerfeuer würde der Glaubwürdigkeit der Kopenhagener Verhandler schaden – dabei wird deutlich sichtbar zuviel CO2 emittiert ;-)

  2. 3. Januar. 2010 at 15:37

    hat ja leider nicht geholfen. Dennoch schöne Idee. Indianer bzw. Eskimos spielen demnächst auch wieder eine Rolle, und zwar im Zusammenhang mit Robben und den olympischen Spielen in Vancouver: http://www.sueddeutsche.de/sport/421/467990/text/

  3. jan
    25. Januar. 2010 at 12:29

    Gerade die Indianer haben es ja schon erlebt was diese Ignorranten alles kapputt machen könne, normal haben die Indinaner ja immer im Einklang mit der Natur gelebt, und kommt jetzt nicht mit den bisschen Rauch vom Lagerfeuer

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