Colin Goldner gegen Gottkönig und Esoterik-Gurus

Der Mann lebt gefährlich. Seit der Veröffentlichung seines Buches „Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs“ ist Colin Goldner einer endlosen Kette an Beschimpfungen, Schmähungen und Bedrohungen seitens der Pro-Tibet-Szene ausgesetzt, in mehreren Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft, u.A. gegen die Versender von Fäkalienpaketen und  halb verwester Hühner.

Colin Goldner

Colin Goldner

Anlässlich einer überarbeiteten Neuauflage des Buches und eines kommenden Vortrags am Freitag, 31. Oktober, im Linzer VHS-Wissensturm führten die “Oberösterreichischen Nachrichten” ein Interview mit dem klinischen Psychologen und enfant terrible der zeitgenössischen Aufklärung. Darin unterstreicht Goldner die provokanten Thesen seines Buchs, etwa dass im tibetischen Buddhismus (wie in jeder anderen Religion auch) Frauen nichts zu melden hätten. Schlimmer noch: Im Zentrum des Vajrayana-Buddhismus, als dessen Oberhaupt der Dalai Lama firmiert, stehe sexueller Missbrauch von jungen Mädchen und Frauen im Gewand tantrischer Rituale. Das im Westen herrschende Bild des  „alten Tibet“ als „friedvoller und harmonischer Gesellschaft“ wird von Goldner mit historischer Akribie widerlegt. Von der Propaganda und der Mitläuferschaft des “Gottkönig” werde verschwiegen, wie die herrschende Mönchselite jahrhundertelang Land und Menschen mit Hilfe eines weit verzweigten Netzes an klösterlichen Zwingburgen gnadenlos ausbeutete.

Bitterste Armut und Hunger beherrschten den Alltag und die Mehrzahl der Menschen lebte unter indiskutablen Bedingungen, ihre Behausungen und ihre Ernährung waren katastrophal. Steuer-, Fron- und Abgabenlasten drückten sie unter die Möglichkeit menschenwürdiger Existenz. Schuldknechtschaft und Sklaverei waren gang und gäbe. Es gab außerhalb der Klöster keine einzige Schule und keinerlei Gesundheitsversorgung. Die Säuglingssterblichkeit lag bei fast 50 Prozent, die mittlere Lebenserwartung Erwachsener bei 35 Jahren.
Das Strafrecht des Priesterstaates zeichnete sich durch Willkür und unglaubliche Grausamkeit aus. Unbotmäßigen wurde bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen, bei leichteren Vergehen stach man ihnen die Augen aus oder hackte ihnen die Hände ab. Jedes Kloster verfügte über eine eigene Folterkammer.

(Regelmäßige Leser dieses Blog erinnern sich wahrscheinlich, dass ich hier großen Wert auf die Unterscheidung zwischen der agnostischen buddhistischen Philosophie und deren religiös-esoterischen Interpretationen lege und vor Allem gegen deren gutgemenschelte Adaption durch unterkomplexe “Sinnsucher” immer wieder polemisiere, weil mir die eklatant homosexuellenfeindlichen Positionen des Dalai Lama und seine oft rechtslastigen, platten “Weisheiten” ein Greuel sind.)

Colin Goldner ist auch Vorsitzender des Münchner “Forum für kritische Psychologie”, dessen Tätigkeit u.A. darin besteht, unsaubere Machenschaften in der Psycho-Szene aufzudecken und Geschädigten Hilfestellung zu geben.

die Psycho-SzeneIn diesem Zusammenhang sorgte Goldner schon vor Jahren mit der Dokumentation “Die Psycho-Szene” für kontroverse Diskussionen und Anfeindungen aus der Esoterik- und New Age-Szene, in der er gründlich recherchiert hatte und mit seinen fundierten Belegen allen selbsternannten Gurus, geldgierigen “Heilern”, unkritischen Mitläufern, braunen Socken und naiven Wundergläubigen auf die Mütze klatscht.
In etwa 150 Kapiteln und Exkursen durchleutet er die Scharlatanerie der schier unüberschaubaren Angebote auf dem deutschen Psycho-Markt. Bachblütentherapie, Homöopathie, Antroposophie, Tarot, Pendeln, Mindmaschinen, Runen-Lesen, Positives Denken und das gesamte Brimborium dieser Geldmachmaschinerie werden von ihm mit zahllosen, teilweise schockierenden Fallbeispielen als Humbug entlarvt.
Goldner zeigt die Gefahren auf, wie unbedarfte Hilfesuchende ausgenommen werden, wie psychologische Techniken in den falschen Händen fatale Wirkungen nach sich ziehen können, wie mit der Leichtgläubigkeit Milliardenumsätze erzielt werden.
Dabei wird er sehr konkret und nennt Namen “renommierter” Institute, Zeitschriften und Einzelpersonen, die sich auf diesem Markt mit unhaltbaren Versprechungen den Wanst vollschlagen.
Goldner wettert aber nicht nur im Geist purer Ablehnung, sondern betreibt kritische Aufklärung und letztendlich gibt er hilfreiche Ratschläge, wie Geschädigte sich wehren können.
“Die Psycho-Szene” war und ist ein Stich ins Wespennest.

Goldner im Interview: “Als kritischer Psychologe halte ich es für selbstverständlich, meinen Beitrag zu leisten im Kampf gegen religiös kaschierte Hirnverkleisterung. Egal, von welchen Kutten-, Talar- oder Soutanenträgern sie betrieben wird.”

Goldner-Vortrag: Freitag, 31. Oktober 08, VHS-Wissensturm, Linz, 19 Uhr, Eintritt frei.

• Artikel: “Zivilisationssymptom Dalai Lama” (aus “Kritiknetz”)

• Buch: Colin Goldner, „Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs“
Alibri-Verlag, Neuauflage 2008, 735 S., 50 Fotos

• Buch: Colin Goldner, „Die Psycho-Szene“
Alibri-Verlag, 644 Seiten

wf

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  9 comments for “Colin Goldner gegen Gottkönig und Esoterik-Gurus

  1. Markus
    27. Oktober. 2008 at 23:22

    Der Dalai Lama ist mir schon deshalb suspekt, weil er der Liebling der Bild-Zeitung und Freund von CDU-Rechtsaußen Roland Koch ist.

    Und was die bisweilige westliche Pro-Tibet-Hysterie in den Medien anbelangt, vermute ich dahinter auch eine mehr oder minder gezielte Attacke auf das wirtschaftlich und politisch aufstrebende China. Damit sollen die Chinesen zwar nicht reingewaschen und vor jeglicher Kritik geschützt werden, aber das vielfach propagierte Schema hier die “guten Tibeter” und dort die “bösen Chinesen” ist denn doch entschieden zu einfach.

    Aufklärung tut also nicht nur in der Psycho-Szene nach wie vor not.

  2. wf
    5. Februar. 2009 at 17:56

    Colin Goldner kommentiert die diesjährige Verleihung des “Deutschen Medienpreises” an den Dalai Lama hier:

    http://brightsblog.wordpress.com/2009/02/05/deutscher-medienpreis-fur-den-dalai-lama/

  3. wf
    9. Februar. 2009 at 00:33

    Guter, ausführlicher Essay / Rezension zum “Fall des Dalai Lama” von Marcus Hammerschmitt:

    http://philolog.wordpress.com/2006/11/16/dalai-lama-colin-goldner-essay-von-m-hammerschmitt/

  4. 3. März. 2009 at 22:51

    Wunderbarer Klartext.

    “Aufklärung tut also nicht nur in der Psycho-Szene nach wie vor not.”
    Wir machen mit.
    http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=196&catid=8

  5. marko
    28. Mai. 2009 at 14:02

    Wie stellt man/frau fest, daß das Gehirn – ich meine das jeweils eigene Gehirn – “verkleistert” ist? Big G zieht ja schließlich gegen Gehirnverkleisterung zu Felde.
    Wie und wo (und wer kann es ihm deutlich machen) – von hinten, oben, unten? – ist Big G (ich will ihn doch mal so nennen), Colin Goldner, eigentlich verkleistert? Oder …? Gehört er zu denen, die von sich sagen, sie seien es nicht? ;)) Das wiederum wären dann die, gegen die er wetternd und intelligent (und ich postuliere: AUCH verkleistert) ins Feld zieht.
    LG
    ein Welt(raum)bürger

  6. Linus
    3. Juni. 2012 at 13:38

    Parallel zum Besuch des Dalai Lama vom 17. bis 26. Mai 2012 in Österreich hielt Colin Goldner am 18. Mai einen Vortrag zum tibetischen Buddhismus an der Universität Wien. Wer sich dafür interessiert und Goldner mal “live” hören möchte, kann sich diese Video-Aufzeichnung ansehen:
    http://www.eswerdelicht.tv/archives/714

  7. det
    13. Juni. 2012 at 11:03

    Ich habe mir den von Linus verlinkten Vortrag von Goldner angesehen und muß leider sagen, daß ich selten einen so schlechten Mix aus Halbwahrheiten, Verzerrungen und kaum nachprüfbaren Behauptungen gesehen habe. Entweder hat er sehr schlecht recherchiert, oder, was mir wahrscheinlicher erscheint, er verdreht bewußt Lehren des tibetischen Buddhismus, damit sie besser in seine Argumentation passen. Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Dalai Lama und dem tibetischen Buddhismus wäre wünschenswert, Goldner ist durch die vielen Fehler in seinem Vortrag einfach unglaubwürdig.

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