Texterl zu ‘Heimat’

Heimat ist immer der Inbegriff des Verlorenen. Es lohnt sich von ihr nur als von einem Mangel zu sprechen, und am besten verstehen sich die Menschen, wenn sie sich alle als Heimatvertriebene anerkennen, davongejagt aus den künstlichen Paradiesen ihrer gehissten Ideale und deklarierten Werte.

Roger Willemsen


Instrumentalmeditation
Johannes Enders– Saxophon
Achim „Wotan“ Juhl – Bass
Werner Friebel – Gitarre, ©

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Paul Feyerabend im Gespräch mit Rüdiger Safranski

Eigentlich sind die bairischen Medien nicht so sehr dafür bekannt, dass sie Anarchisten zu Wort kommen lassen. Aber zu nachmitternächtlicher Stunde findet man gelegentlich in der Nische des Fernseh-Bildungskanals BR-alpha Perlen des geistigen Revoluzzertums, wahrscheinlich, weil da eh fast kein Schwein zuguckt. Und weil ich also deshalb davon ausgehe, dass kaum jemand von Euch, liebe Leserinnen, gestern Nacht den Interview-Doppelpack Feyerabend & Popper in der Reihe “Phase 3 – retro.Talk” gesehen hat, soll’s den Feyerabend-Teil nun hier geben. (Zu Popper dann was in den nächsten Tagen, wollt ich im Rahmen meiner “Tipps für die locker-nahrhafte Sommerlektüre” eh wieder mal auftischen.)

In diesem Gespräch (das auch schon seit einem Jahr auf YouTube steht) unterhält sich Rüdiger Safranski mit dem österreichischen Philosophen und Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend in frühlingshafter Atmosphäre 1993, ein knappes Jahr vor dessen Tod, auf einer Café-Terrasse in Rom.
Man erlebt einen quirligen und höchst sympathisch wirkenden Feyerabend, der hier nicht eine logisch-stringente Ausarbeitung seiner Positionen präsentiert, sondern seine Gedanken querbeet durch Themen wie Aufklärung & Unmündigkeit, Tierversuche, Wahrheit & Vernunft, sowie um die Frage, ob Philosophie Lebenshilfe leisten könne, schweifen lässt – wobei die einzelnen Gesprächsabschnitte immer wieder zum Atemholen und Nachdenken von Ausblicken auf römische Alltagsszenen unterbrochen werden.
Natürlich kommt auch seine kritische Haltung gegenüber dem wissenschaftlichen ‘Fortschritt’ zur Sprache, dem er vorwirft, ohne Rücksicht auf eventuelle gesellschaftliche Folgen nach Gültigkeit und Umsetzung zu streben. Feyerabend plädiert dafür, lieber seinen eigenen Verstand einzusetzen und nicht blind irgendwelchen Ideologien und Dogmen zu vertrauen, von wem auch immer diese aufgestellt würden.
Und eine wenig ‘altersmilde’ scheint der frühere radikale Atheist auch geworden zu sein, wenn er hier nun auch den religiösen Glauben als möglichen Halt im Leben mancher Menschen akzeptiert. Jeder könne da seinen ganz eigenen Weg finden, weil auch die Umstände jedes Lebens anders seien.

Feyerabends erfrischend undogmatische Auffassungen, seine Humanität und sein trockener Humor werden’s Euch bestimmt nicht langweilig werden lassen bei diesem sehenswerten Dokument über einen der aufmüpfigsten und eindrucksvollsten Denker des 20. Jahrhunderts.

wf

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