Texterl zum Tage

Wenn auch Kulturen Bewegungen oder Prozesse in einer driftenden Natur sind, dann können sie sich nur erhalten, indem sie ständig ein Veränderungspotential in sich selbst lebendig halten, d.h. ihre interne agonale Komplexität nicht unter ein gewisses Limit drücken.

Michael Hampe




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Nietzsche als Songwriter

Wer weiß, was Friedrich Nietzsche aus seinen Gedichten gemacht hätte mit den heutigen Produktionsmöglichkeiten? Vertont hat er ja ein paar, wenn auch ohne große Publikums-Resonanz, sein zeitweiliger Künstlerfreund Richard Wagner soll die Liedchen belächelt haben – vielleicht mit ein psychologischer Grund für die späteren Animositäten? Jedenfalls schien Nietzsche die Musik ebenso geliebt zu haben wie die Philosophie (“Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum”) und so versuchte er sich eben auch gelegentlich als Komponist, als Dilettant im besten Wortsinne.

Nietzsche am Klavier (Fotomontage)

Nietzsche am Klavier (Fotomontage)

Sein Instrument war das Klavier, und es war nicht das Schlechteste, was er dabei zustande brachte. Einige Stückerl kann man auf OPEN CULTURE anhören und eine kurze Zusammenfassung von Nietzsches Verhältnis zur Musik findet ihr in der NZZ.

Das Musikerkollektiv von “Der Alte Sermon”  hat sich was von Nietzsches Lyrik ausgeguckt, um daraus ein originelles Musikvideo im Gitarren-Popsound zu basteln: “Deutsche Musik von Nachbar M Punkt in einer Welt am Rande des Abgrunds. Wenn Musiker-verschlingende Kanonen und entfesselte Aufsitzrasenmäher die öffentliche Ordnung bedrohen, dann kann nur noch einer helfen: Kurt!”

Kurt ist übrigens der begnadete Nebendarstellerhund im Musikvideo, der früher oder später auch die Welt retten wird.
Der Song basiert auf dem kleinen Gedicht Ecce homo, das Nietzsche schon in der “Fröhlichen Wissenschaft” so betitelt hat.


Ecce homo

Ja! Ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr’ ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich.

wf

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