Warum ist nicht Nichts?

Könnt ihr euch erinnern, wann ihr zum ersten Mal euch selber, euren Eltern, dem großen Bruder oder dem verdutzten Lehrer diese Frage gestellt habt? Wenn man mit dem Nachdenken über das SEIN beginnt führt das ja zwangsläufig zum NICHTS. Um das zirkuläre Paradoxon daran zu erkennen, muss man aber weder Heidegger verstanden noch über Schrödingers tote Katze sinniert haben, sondern sich einfach klar machen, dass diese vielleicht abgründigste aller metaphysischen Fragen nur von einem denkenden Wesen gestellt werden kann, dessen Gehirn sich nach ein wenig Quantenfluktuations-Hokuspokus aus dem Chemiebaukasten des Sternenstaubs zusammengesetzt hat, dass es also ohne ein Seins-bedingtes Denken gar keine Idee von NICHTS geben kann.

Parmenides

Parmenides

Das erkannte schon der Vorsokratiker Parmenides und meinte, es sei unmöglich, über das Nichtseiende zu sprechen, da im selben Moment, als man von diesem etwas aussagt, dessen Sein wieder vorausgesetzt wird. Weil Denken mit Sein äquivalent sei, könne man über das Nichts demnach auch nicht nachdenken.
Doch mit dieser Schlussfolgerung irrte Parmenides, denn von nun an ging, ihr ahnt es wohl, die Diskussion über das Nichts in der Philosophiegeschichte erst richtig los.

Zum 200. Sendejubiläum der Reihe alpha-Centauri ließ der BR auch seinen Physiklehrer der Nation, Harald Lesch, mal ein viertel Stündchen über dieses Thema räsonieren – ein hübscher Streifzug durch das NICHTS-Denken von Parmenides, Leibniz, Kant und Vincent van Gogh bis zur Quantenmechanik und der Kosmologie, denn die sind für Lesch bekanntlich die Fortsetzung der Philosophie mit anderen Mitteln. Und so resümiert er denn auch: “Die Naturgesetze im Universum sind unbedingte Voraussetzung dafür, dass ein Lebewesen überhaupt die Frage stellen kann: Warum ist nicht nichts?”

 


brian greeneWer nun Lust bekommen hat, sich mit diesem Thema ein wenig eingehender zu beschäftigen, dem möchte ich eins meiner Lieblings-Astrophysikbücher ans Herz legen: “Der Stoff aus dem der Kosmos ist” von Brian Greene. Statt aber dessen Inhalt hier zusammenzufassen, empfehle ich für einen ersten Eindruck das höchst lesenswerte Interview des SPIEGEL mit dem Autor aus dem Jahr 2004.

Brian Greene: Der Stoff, aus dem der Kosmos ist
Raum, Zeit und die Beschaffenheit der Wirklichkeit
Goldmann TB, 640 Seiten – ISBN-13: 978-3442154876

* natürlich auch bei der Buchhändlerin Ihres Vertrauens erhältlich:

 

wf

image_pdfimage_print

  6 comments for “Warum ist nicht Nichts?

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.