Gute Lehrer müssen scheitern

In unserer neiderfüllten Ellbogengesellschaft ist es ziemlich gefährlich, wenn sich ein kluger Kopf  aus dem Mittelmaß herauswagt. Das musste eben erst wieder eine engagierte Grundschullehrerin erfahren, deren Schüler offenbar aufgrund ihrer guten pädagogischen Fähigkeiten regelmäßig überdurchschnittlich gute Notenschnitte erzielt hatten.
Weil das ja nicht sein darf, weils erstens der Statistik nicht entspricht und zweitens überdurchschnittliches Engagement für die Durchschnittlichkeit anderer Pädagogen entlarvend ist, bekam die Lehrerin Probleme von Kollegenmobbing bis zu Entlassungsandrohungen.
Inzwischen  fühlt sie sich genötigt, an dem System der Versagerproduktion mitzuwirken und deshalb Schulaufgaben so zu konstruieren, dass mit Sicherheit ausreichend Vierer, Fünfer und Sechser herauskommen, damit vor dem Komma des Klassenschnitts endlich auch mal eine Drei steht und sie von der Rektorin nicht behandelt wird wie eine aufmüpfige Bildungswelt-Verbesserin.
Ist dann ja auch wieder eine Art Chancengleichheit.

siehe Artikel in der SZ-Reihe “Schule spezial”

wf

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