Der Moonwalker tanzt nicht mehr

Gestern Nacht ist Michael Jackson, die Ikone und tragische Figur der letzten drei Popjahrzehnte, in Los Angeles an Herzstillstand in einem Krankenhaus verstorben.
Wie immer man zu ihm und seiner Kunst stehen mag, wird man wohl dem Urteil seines jahrelangen Produzenten und Musikmanagers Quincy Jones zustimmen:  “Michael hatte alles – Talent, Anmut, Professionalität und Hingabe.” Unbestreitbar war er für Pop-Verhältnisse auch ein ausdrucksstarker, kreativer Tänzer – vor Allem aber war er eine schillernde Figur mit einem grenzgängerischen Lebensentwurf zwischen Banalität und Idealismus, Obszönität und Absurdität. Zerrieben zwischen märchenhaftem Reichtum und emotionalen Tauchgängen in einer Phantasiewelt mit wenig Restlicht aus der Realität, körperlich entstellt durch den Weißheits-Wahn, seelisch deformiert und wohl auch ziemlich isoliert im selbstgewählten Peter-Pan-Gefängnis einer nie gelebten, nur als solipsistisches Sehnsuchtsmodell vorgestellten paradiesischen Kindheit.
Als Mensch,  Künstler und Projektionsfläche ein skurriles Gesamtkunstwerk und gleichzeitig Mahnmal für eine gescheiterte Utopie.
Im kulturgeschichtlichen Rückblick könnte er bald als ‘die letzte Ikone’ (neben Madonna) einer verflossenen Zeit gelten, in der sich globale Superstars noch mit der Manipulationsmacht der traditionellen Massen- und Klatschmedien realitätsentfremdet heranpäppeln ließen – und an der Stilisierung und den Erwartungen manchmal zugrunde gingen…

Weil im Web grad Jacksons 80er-Hits rauf- und runterdudeln, hab ich was aus seinen handwerklichen Roots, seiner Kinderarbeit bei den Jackson Five ausgesucht:

wf

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  4 comments for “Der Moonwalker tanzt nicht mehr

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