Texterl zu ‘Heimat’

Heimat ist immer der Inbegriff des Verlorenen. Es lohnt sich von ihr nur als von einem Mangel zu sprechen, und am besten verstehen sich die Menschen, wenn sie sich alle als Heimatvertriebene anerkennen, davongejagt aus den künstlichen Paradiesen ihrer gehissten Ideale und deklarierten Werte.

Roger Willemsen


Instrumentalmeditation
Johannes Enders– Saxophon
Achim „Wotan“ Juhl – Bass
Werner Friebel – Gitarre, ©

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Vom ESC zum Esbjörn Svensson Trio

Seit bald zwei Jahren gabs hier keinen Beitrag mehr über und mit Musike, obwohl in unseren “Top Tags” der Jazz doch immer noch deutlich vor Kant und Nietzsche liegt. Genug Anlass für Lob oder Spott zum MusikBizz hätte es schon öfter gegeben, wie kürzlich beim Echo-Skandal, der eine „Mischung aus Dummheit, Feigheit und fachlicher Inkompetenz“ (Zitat Peter Maffay) bei den Veranstaltern aufgezeigt habe. Und gerade dudelte ja der Eurovision Song Contest wieder über die Mattscheiben, der sich selbst gern mit dem Etikett “völkerverbindend” auszeichnet, weil da etwa 100 Millionen Europäer gleichzeitig vor der Glotze hocken und sich dabei zu veritablen Musikkritikern berufen fühlen, weil sie mit über Sieg oder Platz der vorgeführten Casting-Püppchen abstimmen dürfen. Merken dabei eher nicht, dass die ‘demokratische’ Wahlbeteiligung der Konsumenten an der Kür einfach geschicktes Marketing ohne musikästhetische Qualitätsaussage ist – Kunst ist nämlich gar keine demokratische Veranstaltung.

Ob sich beim diesjährigen Sieg der Israelin (!) Netta “der europäische Geist der Solidarität durchgesetzt hat” und das eine “schöne Klatsche für alle ‘Me Too’-Zweifler” war, wie die SZ meint, sind zwar hübsch feuilletonistische Zuordnungen, deren Stimmigkeit wage ich aber zu bezweifeln. Denn der ESC ist ein lupenreines Produkt der Kulturindustrie; wer’s unbedingt möchte, kann etwas ‘Politisches’ daran entdecken, wenn er in die Kiste mit den Befunden der Sozialpsychologie greift: das tribalistische “Wir” gegen “Die” und ein Aufpimpen des National-Chauvinismus (Netanjahu hat ja auch gleich stolz die neue ‘Hauptstadt’ Jerusalem als nächsten Austragungsort angekündigt, obwohl sich Nettas kulturelle Prägung dem weltoffenen Tel Aviv verdankt).

Esbjörn SvenssonAber zu Schönerem: Nun, 10 Jahre nach seinem Unfalltod bei einem Tauchgang in einer Bucht vor Stockholm, ist eine neue Live-CD des gefeierten schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson mit seinem Trio erschienen. Die “Live in London” ist der Mitschnitt eines Konzerts von 2005, bei dem zwar hauptsächlich Bekanntes zu hören ist, allerdings, wie immer bei guten Jazzaufnahmen, in neuen Hörperspektiven mit originellen Wendungen. Bei Svensson kann man ja nie so genau vorhersagen, wer gleich um die Ecke kommen wird: Chopin oder Keith Jarrett, ne Rockband oder ein über alle Stile hinweg balancierender Hochseil-Artist.
Von der neuen Scheibe gibts naheliegenderweise noch keine freigegebenen Stückerl auf YouTube, aber zum Reinhören für die, die den Sound noch nicht kennen und natürlich für alle, die auch hier wieder mal gute Musik hören möchten, hab ich was Adäquates rausgesucht. Das Trio war auch häufig an verschiedenen Spielstätten in Deutschland zu Gast und ich hatte damals die Gelegenheit, die Jungs im oberbairischen Burghausen auf der international renommierten Jazzwoche zu sehen:

Esbjörn Svensson Trio – Elevation of Love – Live At Wackerhalle, Internationale Jazzwoche Burghausen, May 2004

wf

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