Texterl zum Tage

Dein Leben ist so lang eine Kette von narzisstischen Kränkungen, bis du die Vorstellung von der herausragenden Bedeutung deines Ego losgelassen hast.

WF

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Sommerrätsel 2017: Die Farbe von Freges Feder

Diesmal gibts 3 Exemplare von „Kleine Philosophie der Mathematik“ zu gewinnen

Seit Anbeginn der abendländischen Philosophiegeschichte waren und sind viele große Denker von dem Dreiklang aus Logik – Mathematik – Philosophie fasziniert, von Platon und Aristoteles über Descartes, Leibniz und Spinoza bis zu dem kürzlich verstorbenen Bernulf Kanitscheider (Autor des hier zu gewinnenden Buchs).  Einen Höhepunkt erreichte die Diskussion über das Verhältnis der drei Disziplinen zueinander, nachdem Gottlob Frege gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine auf Logik gegründete formale Sprache und darauf aufbauend das neue mathematikphilosophische Programm des Logizismus entwickelt hatte. Doch schon bald wies der englische Mathematiker und Philosoph Bertrand Russell auf einen Widerspruch innerhalb des neuen Systems hin (die sogenannte Russellsche Antinomie) und Frege sah sein Lebenswerk gescheitert, zog sich resigniert von der Logik zurück und verfiel nach dem Tod seiner Frau Margarete im Jahr 1904 schließlich in eine tiefe Depression.

Gottlob Frege

Gottlob Frege

Eines Tages, es war vermutlich im Jahr vor Ausbruch des 1. Weltkrieges, beschloss Russell, den von ihm sehr geschätzten Frege (mit dem er bisher nur in Briefverkehr gestanden hatte) in seinem deutschen Alterswohnsitz bei Bad Kleinen zu besuchen, um ihn aufzumuntern und ihm für seine großartige Lebensleistung (die ja eine Grundlage für seine eigenen Werke war) zu danken. Mit auf die Reise nahm Russel seinen Freund und Lehrer Alfred North Whitehead, mit dem zusammen er das Großwerk Principia Mathematica verfasst hatte, und den jungen Ludwig Wittgenstein, der seit zwei Jahren bei Russell in Cambridge studierte und ebenfalls ein großer Frege-Fan war.
Da dieser Besuch rein privater Natur war, ist er in den offiziellen Biographien der berühmten Denker nirgends erwähnt, so dass die folgende Geschichte auf den Tagebuchnotizen eines Dienstmädchens beruht, das an jenem Abend in Freges Haus für die Bewirtung mit Speis und Trank zuständig war.

Nun sind uns nicht alle Details vom Verlauf dieses Abends bekannt, weil das Dienstmädchen ja zwischen Küche, Keller und Salon unterwegs war, aber nach ihren Aufzeichnungen sollen es diskussionsfreudige und vergnügte Stunden gewesen sein. Die drei Besucher versicherten Frege ihren Dank für die Inspiration, die seine Arbeiten auf ihre eigenen hatte, und wahrscheinlich war es Russell, der bei dieser Gelegenheit Frege erstmals als Vordenker der Analytischen Philosophie rühmte. Das tat dem alten Herrn anscheinend richtig gut, denn wie wir wissen, konnte Frege seine Lebenskrise in seinen letzten Jahren zumindest teilweise überwinden und er begann wieder zu publizieren.

Wahrscheinlich hatte dazu auch ein kleines Gesellschaftspiel beigetragen, das sich Russell vorher ausgedacht hatte, um Freges Selbstvertrauen in seine logischen Fähigkeiten wieder zu stärken. Und das ging so:

Russell holte aus seiner Tasche drei weiße und zwei schwarze Adlerfedern, die er den anderen zeigte, bevor er sie bat, kurz die Augen zu schließen. Dann steckte er jedem der drei eine weiße Feder hinters rechte Ohr, um die Angelegenheit recht schwierig zu machen. Als die drei ihre Augen wieder öffneten, konnten sie ihre eigene Feder nicht sehen, wohl aber die der beiden anderen. Nun fragte Russell zunächst Wittgenstein, ob er die Farbe seiner eigenen Feder bestimmen könne. Nachdem der verneint hatte, wandte sich Russell an Whitehead mit derselben Frage. Auch der entgegnete, dass er nicht wisse, welche Farbe die Feder hinter seinem eigenen Ohr habe.  Als Frege nach seiner Farbe gefragt wurde, überlegte der einen Moment, und antwortete dann: „Weiß!“

Die Frage an euch: Mit welchen logischen Überlegungen konnte Frege auf die richtige Antwort kommen?

Bernulf KanitscheiderZugegeben, nicht ganz einfach diesmal (eine erschwerte Variante der „Logik des Schweigens„), aber das Gewinnbuch, in dem natürlich auch alle vier hier mitwirkenden Protagonisten vorkommen (ohne das Dienstmädchen), sollte euch etwas Hirnschmalz wert sein.
Wer also glaubt, die logische Vorgehensweise von Frege kurz zusammenfassen zu können, kann uns die Lösung wieder zusenden (bitte nicht hier in den Kommentaren posten!) – unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir drei Exemplare von Bernulf Kanitscheiders „Kleine Philosophie der Mathematik“, die uns freundlicherweise der Hirzel Verlag Stuttgart zur Verfügung gestellt hat. Das Buch wurde ja kürzlich hier schon besprochen.

Einsendeschluss ist Montag, der 18. September 2017.

wf

2 comments to Sommerrätsel 2017: Die Farbe von Freges Feder

  • Haderer

    So witzig und lehrreich eure Rätsel auch sind: muss denn der Zeitraum zwischen Erscheinen und Auflösung immer so lang sein? Diesmal gut sieben Wochen, zwei täten’s doch auch. Bin ja wohl immer einer von den ersten Einsendern, hab aber noch nie was gewonnen, wahrscheinlich weil noch so viele hinterherdackeln ;-)

    • wf

      Die Rätsel sind ja nicht nur für Stammleser wie dich gedacht, Haderer, sondern sollen auch von den nur gelegentlich oder zufällig Vorbeischauenden wahrgenommen und im besten Fall weitererzählt werden. Grad in den langen Sommerferien freut sich vielleicht so mancher Heimkehrer kurz vor Ferienende, hier noch was Knobeliges zu finden.
      Und dass du leider noch nie was gewonnen hast, ist garantiert nur Zufall, denn die Spätzusender haben keinen Vorteil. alle richtigen Lösungen werden ja ausgedruckt und vor der Ziehung durch unsere Glücksfee gut durchmischt.

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