Texterl zum Tage

 

Die Logik ist zwar unerschütterlich, aber einem Menschen, der leben will, widersteht sie nicht.
 Franz Kafka

Instrumental-Meditation
* Johannes Enders – Saxophon
* Achim „Wotan“ Juhl – Bass
* Werner Friebel – Gitarre

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Warum ist nicht nichts?

Könnt ihr euch erinnern, wann ihr zum ersten Mal euch selber, euren Eltern, dem großen Bruder oder dem verdutzten Lehrer diese Frage gestellt habt? Wenn man mit dem Nachdenken über das SEIN beginnt führt das ja zwangsläufig zum NICHTS. Um das zirkuläre Paradoxon daran zu erkennen, muss man aber weder Heidegger verstanden noch über Schrödingers tote Katze sinniert haben, sondern sich einfach klar machen, dass diese vielleicht abgründigste aller metaphysischen Fragen nur von einem denkenden Wesen gestellt werden kann, dessen Gehirn sich nach ein wenig Quantenfluktuations-Hokuspokus aus dem Chemiebaukasten des Sternenstaubs zusammengesetzt hat, dass es also ohne ein Seins-bedingtes Denken gar keine Idee von NICHTS geben kann.
Das erkannte schon der Vorsokratiker Parmenides und meinte, es sei unmöglich, über das Nichtseiende zu sprechen, da im selben Moment, als man von diesem etwas aussagt, dessen Sein wieder vorausgesetzt wird. Weil Denken mit Sein äquivalent sei, könne man über das Nichts demnach auch nicht nachdenken.
Doch mit dieser Schlussfolgerung irrte Parmenides, denn von nun an ging, ihr ahnt es wohl, die Diskussion über das Nichts in der Philosophiegeschichte erst richtig los.

Zum 200. Sendejubiläum der Reihe alpha-Centauri ließ der BR auch seinen Physiklehrer der Nation, Harald Lesch, mal ein viertel Stündchen über dieses Thema räsonieren – ein hübscher Streifzug durch das NICHTS-Denken von Parmenides, Leibniz, Kant und Vincent van Gogh bis zur Quantenmechanik und der Kosmologie, denn die sind für Lesch bekanntlich die Fortsetzung der Philosophie mit anderen Mitteln. Und so resümiert er denn auch: „Die Naturgesetze im Universum sind unbedingte Voraussetzung dafür, dass ein Lebewesen überhaupt die Frage stellen kann: Warum ist nicht nichts?“

 


brian greeneWer nun Lust bekommen hat, sich mit diesem Thema ein wenig eingehender zu beschäftigen, dem möchte ich eins meiner Lieblings-Astrophysikbücher ans Herz legen: „Der Stoff aus dem der Kosmos ist“ von Brian Greene. Statt aber dessen Inhalt hier zusammenzufassen, empfehle ich für einen ersten Eindruck das höchst lesenswerte Interview des SPIEGEL mit dem Autor aus dem Jahr 2004.

Brian Greene: Der Stoff, aus dem der Kosmos ist
Raum, Zeit und die Beschaffenheit der Wirklichkeit
Goldmann TB, 640 Seiten – ISBN-13: 978-3442154876

* natürlich auch bei der Buchhändlerin Ihres Vertrauens erhältlich:

 

wf

5 comments to Warum ist nicht nichts?

  • be

    Danke für diesen interessanten und sehr informativen Beitrag!

    Nett, wie Greene sich in Widersprüchlichem verstrickt. Zuerst stellt er fest, dass beim Urknall selbst eine kaum vorstellbare Ordnung geherrscht haben muss, sonst könnten wir hier 14 Milliarden Jahre später nicht in diesem Raum zusammensitzen, um dann festzustellen, dass in dem mit einem Inflatonfeld gefüllten Körnchen ein Urchaos geherrscht haben muss. Aber dafür schweigt er sich umso mehr darüber aus, was denn nun aus wissenschaftlicher Sicht so zwingend den Beginn des Universums erforderlich machte, und damit ausschließe, dass dieser Big-Bang nur einer von zahlreichen Big-Bangs sein könne, das Universum also weder Anfang noch Ende besäße, und sich nur in seinen Phasen der Expansion und Inflation abwechselte. Obwohl er schon nahe dran gewesen wäre, wenn er ausführt, dass die meisten Leute glaubten, das Universum hätte mit einer Art Explosion begonnen, dagegen aber das Ergebnis sorgfältigen Studierens der Gleichungen spreche, die feststellten, dass dieses genau am Anfang, zum Zeitpunkt null, kollabiere. Auch der Sachverhalt, dass die Gleichungen der Physik – die klassischen, aber auch die quantenmechanischen – in keiner Weise zwischen Zukunft und Vergangenheit unterscheiden, mag ihn nicht auf eine andere Spur führen. Na, und jetzt hat er nun all die Probleme an der Backe, die so etwas zwangsläufig nach den Gesetzen der Logik nach sich zieht: Zeit, Raum, Nichts.

    Aber wat mut, dat mut. Denn es wäre das reinste Desaster für den Menschen, würde er als Bezugs- oder Referenzpunkt nicht jenen Wert zugrundelegen, der sich bei den vorgenommenen Berechnungen und Messungen auf Grundlage seiner Wahrnehmungsorgane daraus ergebe, indem der um das 10.000 bis 100.000-fache größere und tatsächlich vorhandene Raum der Atomhülle nicht wahrgenommen werde, zugunsten der marginal vorhandenen Materie des sich darin befindlichen Atomkerns. Also die nützlichere der realistischeren Wirklichkeit vorzuziehen ist. Und siehe da, da liegt ein Stück Käse. Mampf ;-)

  • Ich muß gestehen: ich habe das Interview nicht ganz gelesen, und auch das empfohlene Buch werde ich nicht lesen. Die Art und Weise wie die heutigen Physiker den Verstand verdrehen und verwirbeln, so daß sich darin kein vernünftiger Gedanke mehr entwickeln kann, empfinde ich als logische Folter. Da empfehle ich als Gegengift Unzickers „Vom Urknall zum Durchknall“. Unzicker verhält sich wie das Kind in Andersens Märchen und schreit: „Der Kaiser ist ja nackt!“ – Und das ist sehr heilsam. Physik von der Art der Stringtheorie ist keine Wissenschaft, sondern Fantasy; nur daß leider keine Drachen darin vorkommen.

  • be

    Und da die Physik die Fortsetzung der Philosophie mit anderen Mitteln ist, wie Herr Lesch feststellt, wissen wir nun, dass es ein höchst langweiliger Zustand sein muss, wenn gar nichts da wäre, was sich voneinander unterscheide.

    Auf einen langweiligen Zustand zu schließen, mit der Begründung, dass dies das zwingende Ergebnis sein müsse, wenn da gar nichts da wäre, was sich voneinander unterscheide, wäre aber als eine höchst subjektive Schlussfolgerung aufzufassen, einzig dazu geeignet, etwas über den Schlussfolgernden selbst auszusagen. Denn wir können das nicht wissen.

  • Jonas.J

    Ist nichts nicht alleine schon etwas, weil wir Menschen ein Wort besitzen, welches das sein oder „nicht“ sein umschreibt?…

    • ‚Nichts‘ ist nur ein Wort, das die Grenze der Sprache zur Wirklichkeit kennzeichnet, im Sinne der Adornoschen Nicht-Identtät. ‚Nichts‘, was wir in Worte zu fassen versuchen, geht in diese Worte über; wo sie um sich selbst zu kreisen beginnen, bleiben sie leer. Ihre Negativität führt aus sich heraus zu keiner Position.

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