Texterl zum Tage


Je planmäßiger der Mensch vorgeht, um so wirkungsvoller trifft ihn der Zufall.

Friedrich Dürrenmatt

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Neujahrs-Logikrätsel 2017: Russisch Roulette beim Philo-Talk

Diesmal könnt ihr 3 Jahresabos des Philosophiemagazins HOHE LUFT gewinnen

Viele von euch haben wohl schon einmal die Duo-Talkrunde „Precht“ von und mit dem namensgebenden Publizisten Richard David Precht gesehen, welche als Ablösung für das Das Philosophische Quartett gedacht war. Dabei sollten sich deren Themen an aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft orientieren oder nach anwendbaren Erkenntnissen zu grundlegenden Fragen des menschlichen Handelns suchen. So weit, so gut gemeint. Doch schon nach der ersten Folge der Fernsehsendung hagelte es Kritik, Die Zeit etwa sah darin einen „performativen Selbstwiderspruch“, denn an „keinem Punkt“ würde nachgedacht, an keinem Punkt „gezweifelt oder sich Zeit gelassen, nicht einmal wirklich gefragt oder auch nur einmal nachgefragt“. Das Sendekonzept habe „so gut wie nichts mehr mit Philosophie zu tun“.
Seit gut vier Jahren werden diese Precht-Personality-Shows etwa vierteljährlich im ZDF gezeigt, allerdings nur die, bei denen der jeweilige Gast die Meinungsäußerungen von R.D. Precht nicht wesentlich stört. Dutzende andere mit etwas widerspenstigeren Gesprächspartnern wurden zwar aufgezeichnet, verschwanden dann aber still und heimlich im Giftschrank der Redaktion. Nun aber ist es unserem smart investigator für postfaktische Stories gelungen, sich Zugang zu diesem Archiv zu verschaffen und er hat Erstaunliches herausgeschmuggelt.

R.D. Precht und Dr. Zorn – after the game

Einmal hatte Precht nämlich den Philosophen Daniel-Pascal Zorn eingeladen, auch bekannt als Logik-Kolumnist des Philomagazins HOHE LUFT,  um sich auch von ihm seine Denker-Qualitäten bestätigen zu lassen. Damit hatte Precht aber leider keine für ihn selbst günstige Wahl getroffen, denn wie einige von Euch wahrscheinlich schon gehört haben, kann Dr. Zorn ein recht ungemütlicher Spielverderber sein, wenn zu viel Sophisterei und argumentative Fehlschlüsse durch den Diskursraum fliegen. Und nur Staffage sein auf einem der zwei Stühle für eine Meinung ist seine Sache schon gar nicht.

Leider können wir hier aus Platzgründen nicht das ganze Gespräch dokumentieren (was für unseren Rätselzweck auch unerheblich wäre), nur soviel sei verraten: Während Precht über seine TV-taugliche Weltverbesserungstheorie aus Sozialismus light, Öko-Fundamentalismen, Tierethik und Bildungsrevolution schwadronierte, hakte Dr. Zorn immer wieder ein. Er wies Precht auf den einen oder anderen assoziativen Fehlschluss hin, rieb ihm ein sinnloses Feuern auf Pappkameraden unter die Nase. Precht wurde zusehends nervöser.
Als ihm dann auch noch ein veritabler Confirmation Bias unterlief und Dr. Zorn ihn spöttisch fragte, ob er eventuell am Dunning-Kruger-Syndrom leide, beugte Precht sich mit seinem bedrohlich grimmigen Blick vor und zischte: „Mit Ihnen kann ich ja überhaupt nicht diskutieren, wie es mir gefällt, das hat jetzt ein Ende!“ Und hastdunichtgesehn zog er aus einem Halfter unter dem Tisch einen schweren Revolver hervor und fuchtelte vor Dr. Zorns überraschter Miene damit herum.
Das wäre so weit noch nicht soo ungewöhnlich, denn seit Jean-Paul Sartre gewarnt hatte „Wenn zwei Philosophen zusammentreffen, ist es am vernünftigsten, wenn sie zueinander bloß ‚Guten Morgen‘ sagen“, haben die meisten Philosophen eine Waffe bei sich, nur mal so für den Fall, dass ein anderer sich mehr als Höflichkeiten zu sagen traut. Zwar war auch Dr. Zorn bewaffnet, allerdings hatte er nur Occams Rasiermesser in der Hosentasche, und mit dem kannste nun wirklich nix ausrichten gegen ne richtige Wumme.
Ungewöhnlich war aber, was nun folgte. Precht klappte die Trommel aus dem Revolver, nestelte zwei Patronen aus seiner Westentasche und lud damit zwei nebeneinanderliegende Kammern der sechsschüssigen Trommel, vier blieben leer. Dann ließ er die Trommel rotieren, zielte an die Studiodecke und drückte ab. Klick! – diese Kammer war leer gewesen.  Dann richtete Precht das Ding wieder auf Dr. Zorn und sagte: „Bei meiner Philosophenehre: ein Schuss auf Sie muss jetzt sein, Herr Zorn. Aber da Sie so ein großer Logiker zu sein scheinen, lass ich Ihnen die Wahl: Soll ich gleich nochmal abdrücken oder vorher die Trommel wieder rotieren lassen?“

Die Frage: Wann sind Dr. Zorns Chancen größer mit dem Leben davonzukommen? Gleich nochmal abdrücken oder die Trommel erneut rotieren lassen oder ist es egal?

(Zu eurer Beruhigung können wir versichern, dass R.D. Precht, nachdem er die mit stochastischer Logik begründete richtige Antwort von Dr. Zorn gehört hatte, entnervt den Revolver aufs Tischerl legte, etwas konsterniert in die Kamera guckte, dann aufstand und mit wehendem Haar das Studio verließ. Allerdings ist unklar, ob sich Dr. Zorn wirklich in Lebensgefahr befunden hatte, denn bei Precht dürfen wir annehmen, dass er nur Platzpatronen im Lauf hatte.)


hohe luft

Wer meint, die richtige Lösung ausgetüftelt zu haben, kann sie uns wieder per email zusenden (bitte nicht hier in den Kommentaren posten!) – unter allen richtigen Einsendungen werden diesmal drei Jahresabos des Philosophiemagazins HOHE LUFT verlost, die uns deren Redaktion freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Deshalb bitte auf der Lösungs-Mail eure postalische Adresse angeben für eine mögliche Zustellung, falls unsere Losfee euch aus dem Zettelpackerl zieht.
Einsendeschluss ist der 31. Januar 2017.

wf

2 comments to Neujahrs-Logikrätsel 2017: Russisch Roulette beim Philo-Talk

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