Texterl zur Reisezeit


Manche prahlen, sie seien ohne Umwege ans Ziel gekommen. Wo es doch gerade im Abwegigen am meisten zu entdecken gibt...

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Das Neujahrs-Rätsel 2014: Leibniz’ Silbermünzen

Gestatten: Leibniz. Gottfried Wilhelm Leibniz, Universalgelehrter. Bin hocherfreut, dass aus meiner Idee eines binären Zahlensystems, die ich bereits 1705 in meiner Explication de l’Arithmétique in Paris vorstellen durfte, diese formidable machine informationelle entstanden ist. Und ebenso ist es mir ein Plaisir, dass die Besten von euch Heutigen sich mit gebührendem Respect an mich erinnern und sogar als den “Urvater des Internet” ansehen. Nun allerdings ist es an Euch, wie Ihr die Macht der Algorithmen zu nutzen wisset, mir stand dabei nur das Förderlichste im Sinne.
So war es auch schon, als ich einige Jahre davor eine mechanische Rechenmaschine mit Staffelwalze für die vier Grundrechenarten entwickelte. Die war zwar ein wenig größer als eure Taschenrechner, aber die Intention dafür, wie ich sie damals in einer meiner zahlreichen Correspondenzen formulierte, ist naturalement selbige: „Es ist unwürdig, die Zeit von hervorragenden Leuten mit knechtischen Rechenarbeiten zu verschwenden, weil bei Einsatz einer Maschine auch der Einfältigste die Ergebnisse sicher hinschreiben kann.“

Gottfried Wilhelm Leibniz

Gottfried Wilhelm Leibniz

Seinerzeit  widerfuhr mir auch die große Ehre, zum Mitglied der Londoner „Royal Society“  berufen zu werden, da man sich dort fast ohn Unterlaß der Mathematik und den Naturwissenschaften widmete. Ah, nach London! Das Reisen war mir immer ein Plaisir, konnte ich mich doch dabei in Ruhe meinem philosophischen Hauptwerke, der “Monadologie“, widmen – mit jener meditativen, reflektierenden Weise des Arbeitens, die Euch Modernen angesichts der hohen Reisegeschwindigkeit leider nicht mehr gewärtig ist.
Als ich in London empfangen wurde, führte man mich zunächst in den Großen Salon, wo mich eine kleine Aufnahmezeremonie erwartete. Denn es war dort Brauch, dass jeder Novize der Akademie zum Amusement der honorigen Gesellschaft mit einem mathematisch-logischen Rätsel confrontieret wurde, dessen Schwierigkeitsgrad seiner wissenschaftlichen Reputation angemessen sein sollte, damit er durch eine elegant-geistreiche Lösung seine Aufnahmewürdigkeit noch einmal unter Beweis stellen könne.
Und so wurde mir von dem hochverehrten Präsidenten William Brouncker die folgende Aufgabe erteilet:

“Nun, my dear Leibniz, auch in Her Majesty’s Kingdom ist nicht mehr alles echt Silber, was silbern glänzt; es sind zunehmend Falschmünzen im Umlauf, die nur noch an der Oberfläche versilbert sind und deshalb nicht mehr 10 Dram pro Stück, sondern nur noch 9 Dram wiegen. [1 Dram (dr) = 1,772 g - Anm. der Red.]
Hier habe ich nun 10 unterschiedlich große Geldsäcklein mit lauter gleich aussehenden Münzen, doch in einem davon sind alle Münzen Falschprägungen. Und da steht eine neue Waage, die auf’s Dram genau das Gewicht anzeigt. So please, Mr. Leibniz, finde Er doch mit einer einzigen Wägung heraus, in welchem Säcklein sich die falschen Münzen befinden – und dann gehören die neun guten Silbersäcklein Ihm zur Production seiner Rechenmaschine.”

Mit Verlaub, die Aufgabe fiel mir wahrlich nicht schwer und die Silbermünzen nahm ich gern. Denn nicht nur die Rechenmaschine verlangte Financierung, sondern als zukünftiger Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften, die bald nach englischem und französischem Vorbilde in Berlin entstehen sollte, waren mir auch gewisse Pflichten der Repräsentation auferlegt, so dass es demnächst unumgänglich sein würde, beim teuersten Perückenmacher in Paris einen Einkauf zu absolvieren. Doch von Paris et mon cher ami Lois, dem „Sonnenkönig“, sei Ihnen, liebe Freunde der Logik, der Philosophie und der Wissenschaften, ein ander Mal berichtet.

Merci pour votré attention, au revoir!

 Ihr ergebenster

 


Tja, wie hat denn der gute Leibniz die Aufgabe gelöst? Wer zu wissen meint, wie Leibniz mit nur einer Wiegung den Falschgeldsack ausfindig machen konnte, kann uns die Lösung wieder per email zusenden (bitte nicht hier in den Kommentaren posten!) – unter allen richtigen Einsendungen werden wieder fünf Preise verlost (Musik-CD-Raritäten nach Wahl von Magic Sound & Word á la Modern Jazz, Indie-Rock oder Folk – bitte auf Lösungs-Mail entsprechende Vorliebe angeben, ebenso wie die postalische Adresse für eine mögliche Gewinnzusendung!).
Einsendeschluss ist der 31. Januar 2014.

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>>> Lösung und GewinnerInnen

wf

2 comments to Das Neujahrs-Rätsel 2014: Leibniz’ Silbermünzen

  • Carlo

    Wieder mal ein hübsches Rätsel, das für die “Alltagslogik” auf den ersten Blick unlösbar erscheint. Habs ausgedruckt und am Silvesterabend in kleinem Kreis vorgelegt, kam keiner drauf. Ein Bekannter hielt das Ganze eh für einen Fake, weil er bezweifelte, dass Leibniz überhaupt so eine Prüfung vor der ehrwürdigen Londoner Akademie ablegen musste ;-)

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