Texterl zum Tage


Politik ist die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie angeht.

Paul Valéry

Instrumental-Meditation
* Johannes Enders – Saxophon
* Achim „Wotan“ Juhl – Bass
* Werner Friebel – Gitarre

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Der Neandertaler lebt ja doch in uns

Seit der Entdeckung des ersten Neandertalers im Jahr 1856 bei Düsseldorf wurde spekuliert, ob nicht in dem einen oder der anderen von uns auch ein paar genetische Spuren von ihm zu finden seien, die jüngeren Ursprungs sind als die von einem noch vorzeitlicheren gemeinsamen Urahn. Dazu hätte (naheliegender) Sex zwischen den Hominidenarten allein nicht gereicht; zeugungsfähige Nachkommen hätten die Genschnipsel bis heute in unserem Erbgut verankern müssen und das galt bisher als unwahrscheinlich. Wär ja nochmal eine Klatsche für das hehre Selbstbild des Homo sapiens sapiens gewesen, so ein ungeschlachter und vielleicht nicht mal sprachmächtiger Grobian in unserem Stammbaum.

neandertaler verbreitung

Verbreitungsgebiet der Neandertaler

Wie aber das renommierte Wissenschaftsmagazin Science in einem Feature über das Neandertal Genome  berichtet, steht nun außer Zweifel, dass man sich in den teilweise gemeinsam genutzten Höhlen nicht nur näher kam, sondern dass in Europa und Vorderasien auch was hängen blieb: etwa ein bis vier Prozent Neandertaler stecken wohl in den meisten, deren Ur-Stammbaum im ehemaligen Verbreitungsgebiet unseres stammesgeschichtlichen Nachbarn verwurzelt ist (siehe Karte).

Dazu hatte ein internationales Team um den Paläogenetiker Svante Pääbo das Neandertaler-Genom vier Jahre lang sequenziert und dabei vier Milliarden Basenpaare daraus mit dem Erbgut heute lebender Menschen verglichen.

Den Genaustausch zwischen Mensch und Neandertaler vor ca. 60.000 Jahren im östlichen Mittelmeerraum bestätigte kürzlich auch eine weitere Forschergruppe um Jeffrey Long von der Universität New Mexico und die ersten weltweiten Genvergleiche zeigen nun, dass diese gegenseitige Befruchtung stattgefunden haben musste, bevor sich die Menschheit in die außerafrikanischen Gruppen spaltete; dass also auch die Ostasiaten ihren bis vor wenigen Jahren noch an Schulen gelehrten Abstammungsmythos vom Peking-Menschen endgültig ad acta legen können. Wie’s heut ausschaut, blieben nur die Schwarzafrikaner von der ‚Bastardisierung‘ durch die Kraftprotze verschont.

Allerdings sollte man diese ersten Ergebnisse der evolutionären Anthropologie auf der kulturphilosophischen Interpretationsebene nicht zu hoch hängen, denn welche Gene wann und wie wirken, hängt nicht nur von ihrem reinen Vorhandensein, sondern mehr von Steuerungsmechanismen wie der Epigenetik ab – beim was-wieviel-in-wem tut sich für die Forschung noch ein weites, spannendes Feld auf…

Bis dahin dürfen wir zwar weiter allerlei vermuten, wenn wir die Passionen unserer teilweise etwas robusteren Mitneandermenschen beobachten und einschätzen, doch mit öffentlich geäußerten Spekulationen über potentielle Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt oder in sozialen Netzwerken sollte man vorsichtig sein, weil man sich damit schnell selber schlecht beleumundet.
Grad weil die heutigen soziopsychologischen Muster beim zwischenmenschlichen Beschnuppern sich von jenen unserer Vorfahren wohl nur marginal unterscheiden, wie das folgende steinzeitliche Bewerbungsgespräch zeigt:

 

wf

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