Texterl zum Tage

Wer oft genug ans Hohle klopft, der schenkt der Leere ein Geräusch.

Jochen Malmsheimer


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Reich-Ranicki lehnt Fernsehpreis ab

Da warn wohl einige von den Socken, als Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki gestern abend den ihm zugedachten Deutschen Fernsehpreis ablehnte. Endlich mal ein süffisant-griffiges Gesprächsthema auf der After-Show-Party!
„Blödsinn“ nannte der greise Poltergeist von der Ehrungsbühne aus diese vollkommen beliebige Preisabwurfparade. „Ich nehme diesen Preis nicht an! Ich kann nur diesen Gegenstand, der hier Vielen überreicht wird, von mir werfen!“

reich-ranicki

Marcel Reich-Ranicki

Das alte Kampfschwein MRR war im Zustand der Angewidertheit schon immer unberechenbar und tobte gegen (vermeintlichen) Kitsch und geistige Niederungen in der Literatur. Dass er jahrelang selber eine Gallionsfigur des Unterkomplexen-Mediums ‚Fernsehen‘ war, gibt seinem Wutausbruch die besondere Note des Nestbeschmutzers, den es gemäß evolutionsbiologischer Gruppenethik nun entweder auszugrenzen oder zu resozialisieren gilt.
Letzteres will Fernsehpreis-Moderator Thomas Gottschalk am kommenden Freitagabend in einer Sondersendung des ZDF versuchen, wenn er mit MRR ‚tiefgehend‘ über den Zustand der deutschen Fernsehqualität diskutieren will. Na prima, wenn zwei Pappnasen  vor ein paar Millionen Schenkelklopfern am kulturellen Fortschritt rumbasteln – wird schon ein Karton bei rauskommen…

Aber halt! da ist ja noch eine Dritte im Bunde!  Noch während der Gala sprang ausgerechnet die ebenfalls ZDF-alimentierte „Lesen!“-Tante Elke Heidenreich ihrem Seniorkollegen bei und nannte den Fernsehpreis in ihrer gewohnt aufrichtig-einfachen Art eine „hirnlose Scheiße“.
Sollte – Oh Wunder! – bei der Dame unsere pädagogisch gemeinte Blogschelte Wirkung gezeigt haben? Oder haben die drei da mit den spin doctors des ZDF einen quotensicheren PR-Skandal eingefädelt?

Sehr lesenswerter „SZ“-Kommentar von Joachim Kaiser:
„Dumpfheit, Grellheit, Dummheit“

wf

Nachtrag vom 18.10.:

So, nun also gestern die „reizvollste Begegnung von Geist und Unterhaltung seit der Hochzeit von Marilyn Monroe und Arthur Miller“ (Haha, der Claus Kleber…) und wer vermutet hatte, dass ein senil-rückwärtsgewandeter Klassik-Bildungsdünkler und ein pöbelverstehender Quoten-Junkie nix geisterhellend Brauchbares zustande bringen würden, bekam das auf entsetzlich banale Weise bestätigt.
Wer sich trotzdem noch mehr von diesem Blödsinn geben oder gar Mitquatschen möchte („Nein,. nein, nein, nein, nein“),  kann das auch bei SPIEGEL online tun…

wf

2 comments to Reich-Ranicki lehnt Fernsehpreis ab

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