Texterl zum Tage

Wer oft genug ans Hohle klopft, der schenkt der Leere ein Geräusch.

Jochen Malmsheimer


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Gott weiblich

Aschera hieß die sinnliche Schönheit, mit der der biblische Gott Jahwe was hatte. Rund 40 Mal wird Gottes Geliebte im Alten Testament erwähnt und noch im 7. Jahrhundert vor Chr. stand ihr Kultbild im Jerusalemer Tempel. Doch als das damalige Israel zum Spielball der großmächtigen Assyrer und Babylonier wurde, passte die Dame nicht mehr zu einer monotheistischen Gottesvorstellung mit politischen und moralischen Führungsqualitäten zur Bestrafung und folgenden Errettung des ‚auserwählten Volkes‘, so dass eine kleine Elite von Schriftgelehrten, die „Deuteronomisten“, die altisraelitischen Überlieferungen zur theologischen frühjüdischen Tendenzliteratur ohne Weiblichkeit und Erotik umschrieben.

flyer gott weiblichDiese und andere verdrängte Seiten der weiblich-göttlichen Geschichte zeigt nun das „Musée d’art“ im schweizerischen Fribourg in Form von barbusigen Terrakottafiguren, Amuletten, Rollsiegeln und Inschriften aus der altorientalischen Bilderwelt – zusammengestellt von Othmar Keel, der die Intention der Ausstellung mit dem Titel „Gott weiblich“ klar formuliert: „Wir wollten zeigen, dass die Erfahrungen Israels mit dem Göttlichen nicht ausschließlich männlichen Charakters waren und dass es patriarchale und klerikale Mächte waren, die das Weibliche über die Jahrtausende hinweg in den Hintergrund drängten. Solange aber der Herr mit dem Rauschebart unsere Vorstellungen des Göttlichen beherrscht, ist es kein Wunder, wenn sich die Männer anmaßen, die Gottheit auf Erden allein zu vertreten.“

Die Ausstellung in Fribourg läuft noch bis zum 6. April (Di – So jeweils 11-18.00 Uhr) und wandert ab 4. Mai ins Diözesanmuseum Rottenburg am Neckar.

wf

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