Texterl zum Tage

Ohne Heimat sein heißt leiden.

Fjodor Dostojewski




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Welche Freiheit meint Herr Gauck?

Möglicherweise war’s sogar einem Anflug von Ironie geschuldet, als man sich in der 3sat-Redaktion dazu entschloss, in diesen Tagen nach der Gauck-Wahl den Philo-Clip zum Begriff „Freiheit“ aus der Reihe „Philosophisches Kopfkino“ wieder ein paar Mal als Programmlückenbüßer einzustreuseln. Wollte man damit etwa explizit darauf hinweisen, dass Herr Gauck in seinem ‚Wahlkampf‘ nur mit der „negativen Freiheit“, also der Lesart des „frei-sein-von“, hausieren ging? Statt sich den großen Veränderungsprozessen in unserer Gesellschaft zu stellen, wie sie etwa durch Internet, ökologische und finanzwirtschaftliche Bedrohungen, Prekarisierung und Umdeutung von ‚Arbeit‘ etc. gegeben sind?
Ich würde mir (wenns denn schon sein muss) einen Bundespräsidenten wünschen, der sich diesen Themen mit einer Vorstellung von „positiver Freiheit“, also des „frei-sein-zu“, den Wahlmöglichkeiten aktiv zu gestalten, nähert. Vielleicht gibt ihm ja dieser Philo-Clip einen Anstoss dazu ;-)

(Technischer Hinweis: Da der Clip sich aus der Einbettung in die Mediathekseite nicht herauslösen lässt und die etwas breiter als der hier maximal mögliche IFrame ist, solltet ihr zur optimalen Ansicht ausnahmsweise ein wenig in die Mitte scrollen – und zum Starten dann einfach aufs Bild klicken…)

wf/ 3sat


…und auch unser Haus-Cartoonist zenundsenf hat sich zu Gaucks Freiheitsbegriff ein paar Gedanken respektive Striche gemacht:

gauck wahl

© zenundsenf 2012

3 comments to Welche Freiheit meint Herr Gauck?

  • Observator

    Herrn Gaucks „Freiheit“ ist nur unter Berücksichtigung seines Lebensweges zu verstehen. Vielleicht findet er ja noch die „Gleicheit“ und die „Brüderlichkeit“.

  • wf

    Sicher ist es verständlich, dass Gaucks Freiheitsbegriff zunächst auf der Abwesenheit von Repression, Zwängen und staatlicher Willkür gründet; in vielen Weltregionen scheint das Erreichen dieser „negativen Freiheit“ noch weit entfernt. Und dass Gauck aus mancher Kritik möglicherweise schon was gelernt hat (oder sich vorher nur zu unklar ausdrückte), deutete er mit seiner ersten Rede vor dem Bundestag an, die ich im Artikel nun verlinkt hab. Klingt stellenweise so, als wäre er auf bestem Weg zum engagierten Citoyen…

  • be

    „Als man sich damit abzufinden begann, dass die Entscheidung einer Gruppe – der Mehrheit – oder eines Einzelnen bei der Gesetzgebung für die Gegner verbindlich war, fand eine durchgreifende Bewusstseinsänderung statt. Jetzt waren die Gesetze nicht mehr wie früher gemeinsames Eigentum der Landesbewohner, sondern eine Art Fremdkörper, ein Zeichen dafür, dass sie ihre Freiheit verloren hatten.“ ( Sigurður Líndal, Professor der Rechtswissenschaft der Universität Reykjavik, Präsident der Isländischen Literaturgesellschaft)

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