Texterl zum Tage

Ohne Heimat sein heißt leiden.

Fjodor Dostojewski




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Schnupp dir was

“Gedanken sind Sternschnuppen, die besten stürzen lautlos an unserer Lebenssphäre vorbei. Nur zufällig erblickt jemand am Nachthimmel das lichte Gedachte, wie es vorbeischießt und erlischt. Manche Werke und Bilder aber gleichen Sternbrocken, die unsere Lebensbahn immer wieder kreuzen.” (Botho Strauß)

sternschnuppeMitte August ist alljährlich die beste Zeit zum Sternschnuppen-Gucken, weil da die Sonnenumlaufbahn der Erde die Perseiden, die verglühenden Staub-Abfälle in der Bahn des Kometen Swift-Tuttle kreuzt.
Mein Haus-Astronom sagt voraus, dass man heuer vom 10. bis 14. August wohl auch als normaler Beobachter ohne Teleskop oder Fernglas bei dunklem, wolkenlosem Himmel alle paar Minuten eine Sternschnuppe sehen kann, mit einem Maximum in der Nacht vom 12. auf den 13. August gegen 4:00 morgens – in den Tagen danach sollten aber auch noch ein paar „Nachzügler“ aufkreuzen.

Die ersten Aufzeichnungen über  Meteorströme fertigten schon vor über 2000 Jahren die Chinesen an, allerdings noch ohne die Erklärung, dass diese Teilchen in die Erdatmosphäre eindringen, sich an der Lufthülle reiben und dabei durch die Reibungshitze hell aufglühen. Vor ein paar Jahren ging das Gerücht, dass der Komet und die Erde beim astronomischen Feuerwerk im Jahr 2126 zusammenprallen könnten, nach aktuellen Erkenntnissen geht man aber von einer knappen Verfehlung aus.

Mit der etymologischen Neugier, die ja das kindliche Fragen nach den Weltzusammenhängen auch antreibt, wollte ich schon sehr früh wissen, woher das Wort “Sternschnuppe” eigentlich komme. Und weil’s damals noch keine Wikipedia gab, fragte ich also meine Oma, weil die ihre verkohlten und abgeschnittenen Kerzendochte “Schnuppen” nannte. “Schnuppe” hänge mit schnauben und Schnupfen zusammen und bedeute soviel wie “putzen”, erklärte sie mir, und wenn man Kerzen ausbliese, müsse man sie putzen, damit die glühenden Dochte nix entzünden könnten. Und weil die leuchtenden Meteore Putzabfälle der Sterne seien, nenne man sie deshalb “Sternschnuppen”, das habe sie im Grimmschen Wörterbuch gelesen.

Ahh, eine wunderschöne Erklärung, aber möglicherweise ist die dem astronomisch aufgeklärten Schnuppengucker von heute sowas von schnuppe

wf

1 comment to Schnupp dir was

  • Micha

    ach ja, die sternschnuppen. sind sie nicht die sinnigsten metaphern für die kluft zwischen unserer phänomenologischen wahrnehmung, die ja meist zu metaphysischen interpretationen führt, und der ‚kalten‘ naturwissenschaftlichen erkenntnis?

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