Texterl zum Tage


Politik ist die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie angeht.

Paul Valéry

Instrumental-Meditation
* Johannes Enders – Saxophon
* Achim „Wotan“ Juhl – Bass
* Werner Friebel – Gitarre

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Politik – Religion – Gewalt

Die großen Religionen im Ramadan 2009: auseinander oder miteinander

– Eine kritische Reflexion von Anant Kumar

__

Prolog:

ZULEIMA.
Die Erde ist ein großes Golgatha,
Wo zwar die Liebe siegt, doch auch verblutet
(1)

Die Moscheen am Gangesufer (2)

Während der Ramadan-Tage denke ich wie die meisten Europäer mehr an die Muslime. Abgesehen davon, dass, im Gegensatz zu Mohammeds Schülern, weder meine Ahnen noch die unzähligen Götter meines Landes im Abendland jemals etwas zu suchen hatten. Andererseits sind jedoch am Ufer des heiligen Ganges Tausende Moscheen genauso beheimatet wie die Millionen Tempel der Hindus. Von Benares bis Kalkutta. Der Islam kam nicht viel später in Indien als im Abendland an.

1 Andersartigkeit ist schlecht

EINE ANDERE DAME (heftig)./ Doch überladen war die Stickerei,/ und noch ein bißchen maurisch war der Schnitt./ IHR RITTER (mit verstelltem Ernste)./ Jedoch, was soll das arme Mädchen machen/ Mit all den alten, reichen Maurenkleidern?/ DIE DAME./ Gibts keine Maskenbälle, süßer Spötter? (3)

Und es kommt nicht selten vor, dass in jenem dicht bevölkerten Indus-Ganges-Tal ein Bruder anfängt, den anderen zu hassen, weil sich der andere anders anzieht. Oder einer einen anderen Gott anbetet oder eine andere Fleischsorte isst. Nicht selten streiten sich die Geschwister. Bis aufs Blut.
Beim Mord am 11. September dachte ich weniger – wenn, dann am Rande – an die Muslime. Viel mehr an die skrupellosesten Terroristen, die sich beliebig aus Völkergruppen, Minderheiten, Nationen … rekrutieren können. Und als Mensch spürte ich grenzenlosen Hass gegen die Organisationen, Gruppen, Länder …, deren Bilder mir in den darauffolgenden Stunden wiederholt gezeigt wurden. Und allmählich wurde mir auch die große Gemeinsamkeit immer bewusster gemacht. Nämlich, dass sie alle Muslime sind. Jene Kontinuität der muslimischen Terroristen hält weiterhin an … 26.11.2008/ Mumbai.

Ich wurde verzweifelter und verwirrter, und versuchte, meine Hilfestellungen in den Äußerungen meiner abendländischen Vorbilder (Dichter und Denker) zu finden. Mit großer Aufmerksamkeit las ich das Interview „Es ist mir recht unheimlich geworden!“ mit dem Philosophen Gadamer, der die größten Kriege der Menschheit miterleben musste. Seine Antwort auf die Frage um die „Vernünftige Zukunft mit allen Religionen“ gab mir einen Halt, „dass es mit allem geht, nur nicht mit der arabischen Religion“ (4). Ich las den Abschnitt nochmals. Und nochmals.

Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich vor Jahren in meiner Neu-Delhier Zeit mit meinem älteren Bruder ähnlich diskutiert, und wir nahmen als Referenz Bezug auf eine Meldung von India Today, Dem Spiegel Indiens, die etwa so lautete: Weltweit hatten die Völker und Kulturen Ausschreitungen mit Muslimen. Egal, ob sie in einem Land wie in Indien als Minderheit, oder in einem Staat wie in Indonesien als Mehrheit lebten. Damals kam uns, den zwei Studenten der bürgerlichen Mittelschicht, jene Meldung als eine wissenschaftliche Feststellung und zugleich als eine logische Erklärung gewisser böser Zustände vor. Und wir glaubten daran.

In meiner kleinostindischen Heimat Motihari, wo George Orwell die Welt erblickte und Gandhi 1917 seine Satyagrah (5) startete, leben die Muslime als Minderheit. Und in meiner Kindheit und Jugend hatte ich als Hindujunge interessante Beziehungen zu ihnen. Sie waren meine unmittelbaren Schul- und Spielkameraden.

Dann gab es alle paar Jahre Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen, den gegensätzlichen Religionen der Inder. In den angespannten Tagen und Wochen wurden Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die Eltern verboten den Kindern, an den Stadtteilen vorbeizustreifen, in denen die Moscheen standen.

2 Das Andere ist das Eigene: Der hinduistische Vater alias der beliebteste Onkel der muslimischen Familie.

ALY./ …/ Mein holdes Weib gebar mir einen Knaben;/ Sie selber aber wurde bleich und bleicher, -/ Und starb./ Da goß der Freund mir Trost ins Herz,/ Und da sein Weib, just zu derselben Zeit,/ Ein Töchterchen gebar, hat diese Gute/ Zu sich genommen mein verwaistes Kind,/ Und als großgesäugt und mütterlich gepflegt. (6)

Es gab etwa wie die Kasseler Nordstadt ein kleines muslimisches Getto namens Agarwa. (7)

In dem Viertel wohnte eine muslimische Großfamilie, mit der mein hinduistischer Vater verwandt war. Ja, verwandt ist der treffende Begriff, weil mein disziplinfanatischer Vater, der in seiner eigenen Familie Angst und Furcht erregte, als der beliebteste und großzügigste Onkel jener muslimischen Familie angesehen wurde. Und die Kinder jener Familie sagten uns, dass sie erst als Jugendliche erfuhren, dass mein Vater weder Muslime noch ein blutsverwandter Onkel war. Logisch, weil mein Vater lebenslang ein großer Liebhaber der islamisch-indischen Kultur blieb. Er sprach ein gehobenes Urdu (8), und in seinem Kleiderschrank befanden sich modische Sherwanis (9). Wir Kinder gehörten jedoch einerseits zu einem westlich angehauchten Zeitalter und zugleich zu dem modernen emporstrebenden Indien, als dessen Erzfeind Pakistan samt seinen Muslimen galt.

Mich und meinen Bruder interessierten vor allem die Feste der Muslime, zumal wegen der süßen Leckereien. Meine Mutter kommt aus einer strengen hinduistischen Vegetarierfamilie, und zuhause darf man bis heute kein Fleisch essen. Wir, die beiden Brüder, hatten schon in unserer Jugend den Geschmack für Fleisch entwickelt. Zu ihren Festen kochten die Muslime für ihre Hindu-Gäste und –Nachbarn extra Ziegenfleisch, bei dessen Erinnerung mir gerade das Wasser im Mund zusammenläuft. Ich kann mich noch des Tages erinnern, als wir in jenem Jahr auf dem Fest Eid-ul-Azha (10) jene Familie am Spätabend besuchten, und das Fleisch war bereits vollständig verzehrt. Wir haben zwar etwas zu Essen bekommen, aber kein Fleisch. Ich war sauer, und wir Brüder machten ein langes Gesicht. Das hat die Tante verstanden, und sie beorderte sofort ihre Töchter oder ihre Schwiegertochter, nochmals für uns frisch das Fleisch zu kochen. Ich wurde glücklich.

Schon als Kind war ich Revoluzzer, und ich entfernte mich früh von meiner Familie. Ich besuchte die letzten Schuljahre Tausende von Kilometern weit entfernt in Großstädten. Meine Familienvisite wurden in jener Zeit immer seltener wegen der angespannten Familienverhältnisse und wegen der hohen Bildungskonkurrenz im Milliardenland. Ähnliches galt für meinen älteren Bruder. Wir eiferten um die besten Noten und um die besten Zensuren, um in die Hierarchie der indischen Bourgeoisie aufsteigen zu können.

In Neu-Delhi traf mein Bruder seinen Schulfreund Aquil Ahmad, einen Muslimen, wieder. Bei diesem Wiedersehen entwickelten sich beide zu Busenfreunden. Ein wichtiger Grund war, dass sich Aquil in der Urdu-Literatur spezialisierte. Und die Verse jener Dichtung gehörten zu den Mußestunden meines Mathematiker-Bruders, der jetzt als gemachter Mann in den Vereinigten Staaten lebt und arbeitet. Ich bekam die Intensität ihrer Freundschaft nur am Rande mit, weil ich emsig als Streber in einer fremdsprachlichen Abteilung einer anderen Hochschule emsig studierte. Ich erfuhr im Laufe der Zeit auch, dass Aquil seinen Vater schon als Kind verloren hatte. Er nannte meinen Vater mal Onkel und mal wie wir Baba (11).
In der letzten Zeit eher das letztere, als wir zwei Söhne zum Studieren in zwei verschiedene Länder auswanderten.

In den Neunzigern arbeitete ich als Werkstudent im Volkswagenwerk Kassel, als gegen jedwede Erwartung die Nachricht eintraf, dass Baba auf dem Sterbebett lag. Ich nahm den nächsten Flug, und als ich im Schock in Neu-Delhi landete, organisierte Aquil, der Muslime-Freund, mein rasches Fortkommen zur ostindischen Stadt Patna. Ich konnte zwar Baba in seinen letzten Minuten nicht treffen, aber als Hindu-Sohn übergab ich seinen Leichnam dem Feuer am Gangesufer. Bei allen letzten aufwendigen Trauerzeremonien funktionierte Aquil Ahmad wie eine koordinierende Maschine.

3 Das Unbekannte ist irritierend

ALMANSOR./ …/ Aus jeder Nische nickte mir entgegen/ Dasselbe Bild, das ich hier wiedersehe./ Doch überall sah schmerzenbleich und traurig/ Des Mannes Antlitz, den dies Bildnis darstellt./ Hier schlug man ihn mit harten Geißelhieben,/ Dort sank er nieder unter Kreuzelast,/ Hier spie man ihm verachtungsvoll ins Antlitz,/ Dort krönte man mit Dornen seine Schläfe,/ Hier schlug man ihn ans Kreuz, mit scharfem Speer/ Durchstieß man seine Seite, – Blut, Blut, Blut/ Entquoll jedwedem Bild. Ich schaute gar/ Ein traurig Weib, die hielt auf ihrem Schoß/ Des Martermannes abgezehrten Leichnam,/  Ganz gelb, und nackt, von schwarzem Blut umronnen –/ Da hört ich eine gellend scharfe Stimme:/ >>Dies ist sein Blut<<, und wie ich hinsah, schaut ich/ (schaudernd)/ Den Mann, der eben einen Becher austrank.
(12)

„Was ist eigentlich Islam? Ich gebe zu, dass mich diese Frage bis heute eher marginal beschäftigte. Der Unterschied zwischen Sunniten und Shiiten ist mir egal, und ich kann mir das Jahr partout nicht merken, mit dem die mohammedanische Zeitrechnung beginnt. 620? 628?“ (13), schrieb mein Kollege Dirk Schümer in der FAZ. Die Lektüre der Gemütslage des Kollegen Schümer wirkte auf mich zum Teil ironisch und ein wenig klagend bei meiner Literaturrecherche. Dann stellte ich mir vor, wie würde es aussehen, wenn ich heute in einer öffentlichen Diskussion, zum Beispiel in einer Talkshow, ihm mein Verständnis seiner Zeilen vorlegen würde. Dann sah ich den Kollegen irritiert. Er widerlegte meine Interpretation: Nein! Nein! … Sie haben mich völlig missverstanden. Ich möchte weder klagen noch den Islam ignorieren. … Aber es ist mein gutes Recht (und mir auch möglich), mich mit allen Dingen der Welt nicht befassen zu müssen (zu können) …

Die vorigen Fragen über den Islam gelten für mich. Aber mein Fall ist vielleicht berechtigter, weil ich aus einem Land komme, wo die Religion selten in der Schule unterrichtet wird. Darüber hinaus habe ich als gebildeter Tiefgläubiger bloß einen Bruchteil der zahlreichen hinduistischen Veden, Upanishden und gigantischen Epen gelesen.

Auch bei CNN sah ich eine muslimische Akademikerin mit ihrem Argument klagen, dass 1/3 der Weltbevölkerung aus Muslimen bestehe. Und solange sich die Welt nicht bemüht, die Muslime zu verstehen, bliebe eine friedliche Koexistenz eine Utopie.

Die Hindus sind längst nicht 1/3 der Welt und die Buddhisten noch viel weniger. Ich versuche mir eine Weltkonstellation vorzustellen, wenn Millionen Kuhanbeter und ihre Milliarden Götter die Tempelglocken in Europa ertönen ließen. An dieser Stelle sei auch an den Staat Sri Lanka erinnert, auf dessen Boden über 80,000 Menschen während des letzten Kriegs zwischen den hinduistischen Tamilen und buddhistischen Singhalesen gefallen sind.
Dann fällt es mir, einem in Europa ausgebildeten Schreiber, noch schwerer, diesen Aufsatz mit der Einsicht des weisen Europäers Gadamer zu beenden: „Ich weiß es nicht. Ich halte zu unserer Welt, ich brauche dazu gar keine schriftliche Erklärung. Das ist wirklich sehr schwierig für einen Europäer zu verstehen, dass das für andere nicht so ist.“ (14) Ja schwerer, auch wenn die Kollegen wie Dirk Schümer Buddha, Rama, Krishna, … und die Kühe sehr interessant und faszinierend fänden.

Und als flüchtigen Trost lasse ich meine Gedanken über die Ramadan-Tage zu den Moscheen am Gangesufer schweifen, zumal mich in meiner Wahlheimat, wie einige meiner abendländischen Kollegen, weder Moschee noch Islam beschäftigt.

Zwei Epiloge:

Es kämpfen Christ und Moslem, Nord und Süden,
Die Liebe kommt am End und macht den Frieden.
(15)

Ich bin mir nicht sicher, was bei meinem Vater im Vordergrund stand: Seine Zuneigung zur indo-islamischen Kultur, die sich am Gangesufer palimpsestartig blühend entfaltet hat? Oder seine Liebe zu seinem muslimischen Busenfreund und zu seiner Familie? Gute Frage. Vielleicht sollten wir sie sein lassen. Vielleicht möchte der Text auch den beiden Fragen gar nicht nachgehen:

Pothi Padh Padh Kar Jag Mua, Pandit Bhaya Na Koye
Dhai Aakhar Prem ke, Jo Padhe so Pandit Hoye
(16)

Freie sinngemäße kontextuale Übersetzung:

Durch Bücherbände wird einer nicht weise, sondern eher todmüde
Nur Derjenige, der das Wesen der „Liebe“ begriffen hat, gelangt zur Weisheit

(1)Heine, Heinrich: Almansor, S. 313, Reihe Hanser 220/I, München Wien 1976. „Almansor“ erschien auszugsweise 1821 und dann komplett im Jahr 1823 in Berlin. Diese feinfühlige Tragödie bearbeitet historische Ereignisse im Süden Spaniens und ist ein Plädoyer dafür, dass die Menschen konfessionsübergreifend zueinander behilflich sein bzw. sich mögen könnten. (2)In Indien leben etwa 150 Millionen Muslime (so viel wie in Pakistan). (3)Heine, Heinrich: Almansor, S. 297. (4)DIE WELT, 25. 09. 2001. (5)Satyagrah: Der gewaltlose Widerstand für die Wahrheit. (6)Heine, Heinrich: Almansor, S. 291. (7)Agarwa: Ein fremder urdu-persischer Name für die Hindus, die über 81% der Landesbevölkerung ausmachen. (8)Urdu: Offizielle Landessprache Pakistans, die auch in Indien weit verbreitet gesprochen wird. Sie ist mit der indischen Nationalsprache Hindi verwandt und enthält arabische und persische Wörter. (9)Sherwani: Ein langer Mantel, dessen Kragen am Hals geschlossen werden = Mogulmode! (10)Eid-ul-Azha: Das zweitgrößte Fest der Muslimen. (11)Baba (Persisch: Vater): Liebkosende Bezeichnung für Vater in Indien. (12)Heine, Heinrich: Almansor, S. 311. (13)FAZ, 30. 09. 2001. (14)DIE WELT, 25. 09. 2001. (15)Heine, Heinrich: Almansor, S. 276. (16) Kabir, mystischer indischer Philosoph, 1398-1518. Über seine Geburt und seinen Tod gibt es viele Legenden. Er wuchs in einer Weberfamilie auf. Viele meinen jedoch, dass ihn eigentlich eine Brahamanin geboren hat, und er wurde danach von einem kinderlosen Paar adoptiert. Als er starb, fingen die Hindus und die Muslime an, über die letzten Rituale zu streiten. Die Legende sagt, als sie das Tuch hoben, war kein Leichnam mehr da. Anstatt dessen lagen da Blumen. Die Hälfte begruben die Muslimen. Und die andere Hälfte äscherten die Hindus am Flussufer ein. Sein Grab und sein Samadhi liegen nebeneinander in Maghar (Damals ein abgelegener Ort im Nordindien, 200 Kilometer von Varanasi/ Banares).


Über den Autor: Anant Kumar ist ein deutschsprachiger Schriftsteller indischer Herkunft. Er verfasste 12 Bücher (Erzählungen, Essays, Gedichte, Satiren, Reportagen, Kinderbücher… Roman).
Er lebt und arbeitet in Kassel. – Autorenportrait

Gastbeitrag von Anant Kumar © 2009

1 comment to Politik – Religion – Gewalt

  • Björn Eriksson

    Sehr geehrter Herr Kumar,
    vielleicht kann ich Ihnen bei Ihrer offenen Frage weiterhelfen. Ich denke, was Ihren Vater aus der Allgemeinheit hervorhob, und ihm diese geschilderte Anerkennung verschaffte, war sein vorhandenes Wissen, das sich in nachfolgenden Zeilen ausdrückt.
    Mit freundlichem Gruß
    Björn Eriksson

    Sonnenaufgang

    Ein Suchender fragte einst einen alten Mann, was diesem spontan zu Verstand, Vernunft, Wahrnehmung, Brauchbarkeit, Wirklichkeit, Illusion, Glauben, Bildung und Logik einfallen würde.

    Jener alte Mann lehnte sich wieder zurück an den Baumstamm und murmelte: „Man kann den Menschen tausendmal am Tag eintrichtern, dass sie nicht auf einem stillen, ruhigen Fleckchen sitzen, sondern tatsächlich mit unglaublich hoher, schwindelerregender Geschwindigkeit im Augenblick auf eine Sonne zu rasen, man kann es sie vorlesen lassen, auswendig lernen lassen, sie sogar davon überzeugen, dass dem so sei, es wird nichts daran ändern, dass sie felsenfest täglich davon überzeugt bleiben, dass an diesem stillen, ruhigen Fleckchen gerade in aller Beschaulichkeit die Sonne aufgeht.

    Soviel zu Verstand, Vernunft, Wahrnehmung, Brauchbarkeit, Wirklichkeit, Illusion, Glauben, Bildung und Logik.“
    ———
    Fünfmal wird der Mensch geboren.

    Die erste Geburt
    war am Beginn der Schöpfung
    denn nichts wurde je
    ihr zugefügt.

    Die zweite Geburt
    schenkt uns den fehlenden Teil unserer selbst
    denn ohne ihn
    bleibt materielle Welt verschlossen.

    Die dritte Geburt
    öffnet die Tür ins Labyrinth dualistischer Welt
    denn nur in Kenntnis der Teile
    erschließt sich das Ganze.

    Die vierte Geburt
    vervollständigt uns
    verwirklicht Wahrheit
    denn erst durch Aufhebung der Gegenteile
    wird Wissen möglich.

    Die fünfte Geburt
    öffnet den Raum
    aus dem wir kamen
    denn nichts kann je
    ihm entnommen werden.

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