Gute Lehrer müssen scheitern
In unserer neiderfüllten Ellbogengesellschaft ist es ziemlich gefährlich, wenn sich ein kluger Kopf aus dem Mittelmaß herauswagt. Das musste eben erst wieder eine engagierte Grundschullehrerin erfahren, deren Schüler offenbar aufgrund ihrer guten pädagogischen Fähigkeiten regelmäßig überdurchschnittlich gute Notenschnitte erzielt hatten.
Weil das ja nicht sein darf, weils erstens der Statistik nicht entspricht und zweitens überdurchschnittliches Engagement für die Durchschnittlichkeit anderer Pädagogen entlarvend ist, bekam die Lehrerin Probleme von Kollegenmobbing bis zu Entlassungsandrohungen.
Inzwischen fühlt sie sich genötigt, an dem System der Versagerproduktion mitzuwirken und deshalb Schulaufgaben so zu konstruieren, dass mit Sicherheit ausreichend Vierer, Fünfer und Sechser herauskommen, damit vor dem Komma des Klassenschnitts endlich auch mal eine Drei steht und sie von der Rektorin nicht behandelt wird wie eine aufmüpfige Bildungswelt-Verbesserin.
Ist dann ja auch wieder eine Art Chancengleichheit.
siehe Artikel in der SZ-Reihe “Schule spezial”
wf


















Juli 29th, 2008 at 11:10
Die von Angela Merkel ausgerufene “Bildungsrepublik Deutschland” wird also noch auf sich warten lassen - bis zur Privatisierung des öffentlichen Bildungswesens. In der “Bildungsrepublik Bertelsmann” wird alles besser…
August 11th, 2008 at 16:42
Nachtrag:
Wie die Süddeutsche Zeitung am 11.8. berichtete, wurde die Lehrerin Sabine Czerny nun doch “wegen Störung des Schulfriedens” von ihrer Germeringer Grundschule strafwegversetzt.
Tröstende Worte für die engagierte Pädagogin fand allerdings der sich für sie einsetzende Chef des Bayerischen Lehrerverbands, Klaus Wenzel: sie habe “einen sehr anspruchsvollen Lernbegriff” und sei “ihrer Zeit in Bayern weit voraus”.
Na, wenn das mal nicht doch ein wenig für die Zukunft hoffen lässt…
September 23rd, 2008 at 19:58
Dies lässt sehr hoffen, jeden der aus der Reihe tanzt.