Texterl zum Tage

 

Die Logik ist zwar unerschütterlich, aber einem Menschen, der leben will, widersteht sie nicht.
 Franz Kafka

Instrumental-Meditation
* Johannes Enders – Saxophon
* Achim „Wotan“ Juhl – Bass
* Werner Friebel – Gitarre

Wem’s hier gefällt…




internes Archiv

20172016201520142013201220112010200920082007

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

Plugin by Oliver Schlöbe

Törichtes Genie

Natürlich war er für uns Schachnovizen ein Held und Vorbild, damals im ‚Kalten Krieg‘, als er 1972 gegen den „bösen“ Russen Boris Spasski mit genialischer Spielweise das „Match des Jahrhunderts“ gewann: Ein einsamer Wolf, unangepasst, arrogant, schon als Jüngling ein Mythos. Man verzieh ihm anfangs sogar die Allüren, nicht mehr gegen die normalsterblichen „Patzer“ antreten zu wollen, sich mit seinem 190er-IQ für unfehlbar zu halten und Preisgelder für Schachwettkämpfe zu fordern, die grundsätzlich ein Mehrfaches des Boxens oder Tennis betragen sollten. Nachdem er aus o.g. Gründen seinen WM-Titel 1975 gegen Karpov nicht verteidigen wollte, wurde der ihm aberkannt.

fischer-video

Bobby Fischer

Dass seiner Exzentrik eine verzerrte Weltwahrnehmung, Narzissmus und Verfolgungswahn zugrunde lagen, kristallisierte sich zunehmend heraus, als er anfing, die Welt nur noch wie sein Schachbrett in schwarz-weiß, in gut-böse-Kategorien einzuteilen. Er, selbst Halbjude, fühlte sich vom Weltjudentum und der ‚kapitalistischen Verschwörung‘ bedroht, flüchtete unter ständigen Wohnsitzwechseln ins Inkognito und sah im 9/11 eine gerechte Bestrafung seiner Widersacher („Fuck the US!“). In einem Interview mit der „NYT“ bezeichnete er sich auch als ‚Philosopher‘, ohne zu merken, dass er sein geniales Denkvermögen nicht mit der realen Welt vernetzt hatte.

Um seine Kasse aufzubessern, spielte er 1992 einen mit 3 Millionen Dollar gesponsorten (und hochkant gewonnenen) Geheim-Revanchekampf gegen Spasski in Ex-Jugoslawien, wofür er tatsächlich vom FBI (angeblich wegen Steuerhinterziehung) weltweit verfolgt wurde. Nach einem Rauswurf aus Japan durch den dortigen Geheimdienst fand er in seinen letzten Lebensjahren Asyl in Island, der Stätte seines größten Triumphes und verfiel in Schweigsamkeit.

Heute starb Bobby Fischer, der sich bis zum Schluss als rechtmäßigen Weltmeister auf den 64 Feldern betrachtete, im Alter von 64 Jahren. Außer dem Mythos hinterließ er das großartige, mit über 1 Million Exemplaren meistverkaufte Schachbuch, mit dem er auch mich einst „angefixt“ hatte:
„Meine 60 denkwürdigsten Partien“.

Artikel und Video in WELT online


bobby FischerNachtrag vom August 2012:

Mittlerweile hat sich Bobby Fischers Grab in Island auf dem kleinen Friedhof von Laugardælir, (etwas außerhalb von Selfoss), zu einer veritablen Touristen-Attraktion entiwckelt.

Lest dazu bei Interesse den Artikel des isländischen Magazins „The Reykjavik Grapevine“

wf

3 comments to Törichtes Genie

  • Schachlich ist dieser Persönlichkeit viel abzugewinnen, sportlich (charakterlich) wirkt sie eher abstoßend.
    Letzteres sollte allerdings -zumindest für mich- das Sahnehäubchen eines Weltmeisters darstellen.

  • wf

    Zur Zeit kämpfen Fischers Nachfahren Anand und Topalov im bulgarischen Sofia um die Schach-WM 2010.
    Partien und Infos auf der offiziellen WM-HP
    http://www.anand-topalov.com/en/results.html

  • wf

    Neues zu Bobby Fischer aus’m Schach-Sommerloch: Wie unser Gastautor Björn Eriksson im Magazin “The Reykjavik Grapevine” entdeckt und mir grad gemailt hat, wird des Meisters Grab in Island zunehmend zur Touristen-Attraktion (siehe Link in obigem Artikel-Nachtrag)

Kommentar schreiben