Philosophische Schnipsel

Philosophische Schnipsel

Notizen, Essays & Reflexionen zu Kultur, Medien und Gegenwartsphilosophie

Philosophische Schnipsel RSS Feed
 
 
 
 

Unvoreilige Versöhnung

Weil grad die richtige Lesezeit losgeht und man ja nie genug guten Stoff auf’m Nachtkastl haben kann, möcht ich euch heute einen außergewöhnlichen, trotz Petrarca-Preis einer breiten Leserschaft kaum bekannten, dafür von Kennern schon fast als ‘Klassiker’ geschätzten Schweizer Autor vorstellen.

ludwig hohlLudwig Hohl gehört nach wie vor zu meinen Favoriten, wenn ich ‘n Kick im Schreib- oder Lese- oder Unruhe-Kopf suche. Sein Hauptwerk “Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung” liegt bei mir immer im Nachtkästchen - für den Fall kopfmäßiger Leere bei gleichzeitiger Lust auf’n Schuß Boshaftigkeit…
Hohl hat als Form für seine literarisch-philosophische Arbeit eine genre-überschreitende Mischung gewählt:
Aphorismus, Traktat, Kurzprosa, Gedicht, Zitat - Alles fügt sich zu einem offenen Schreibsystem mit dennoch inhaltlich und formal aufeinander abgestimmten Texten in verschiedenen Abschnitten zusammen (”Vom Arbeiten”, “Vom Unerreichbaren und Erreichbaren”, “Vom Schreiben”, “Vom Tod” etc.).
Seine Sprache ist so genau, daß sie wie gemeißelt wirkt und doch lebt dieses organisch gewachsene und durchdachte Gebilde von einer erfrischenden Subjektivität.
Er wollte nie als Aphoristiker bezeichnet werden, als zu komplex sah er seine Schreibe an, - und dennoch: Man kann auch Einzelnes von ihm herausgreifen und sich eben diesen Kick damit “hohlen”, von Lichtenberg, Proust, Goethe und Anderen freundlich mitgegrüßt.

Lassen wir ihn selbst ein paar Sätze aus seinen “Notizen” dazu sagen:

“Einer von den großen Unglücksfällen ist, dass die Menschen nicht Reden wollen.
Nur Schwatzen oder Schweigen.”

“Und Schweigen, sagen sie, sei Gold. Wie gewaltig muss das Minus ihres Redens sein, dass ihm gegenüber schon das Nichts gleich Gold zu setzen ist.”

“Die ganze Kunst des Schreibens besteht darin, dass man kein Wort verwendet ohne volle Verantwortung.”


Website zu Ludwig Hohl nebst Filmdokument

Suhrkamp Verlag - mehr zum Buch…

wf

3 Responses to “Unvoreilige Versöhnung”

  1. 1
    Matthias Keller:

    Obwohl ich eingeschworener “Hohlist” bin, hab ich noch nie ein Filmdokument von ihm gesehen. Da kommt das Revoluzzerhafte irgendwie schon rüber.
    Danke für den Link!

  2. 2
    Philosophische Schnipsel:

    […] Scham und den Schwätzer ein geifernder Spott. Du aber in deiner Ecke nahmst kurz den Blick aus den Notizen und […]

  3. 3
    Philosophische Schnipsel:

    […] hochgeschätzte, kaum bekannte Schweizer Autor Ludwig Hohl (1904 - 1980), von dem hier schon öfter die Rede war, hat in seinen “Notizen” dem Thema Arbeit ein ganzes Kapitel […]

Leave a Reply

Letzte Beiträge

Rubriken

Archiv

 

November 2007
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930  

Infoseiten

Letzte Kommentare

  • wf: Leider seh ich mich außerstande, die Glücksfee zu manipulieren,...
  • MadMax0815: So einfach diesmal? Hab ja schon bei den schwierigen nix...
  • hier: Ich glaube die Politiker sagen dem Volke sowies nie die ganze...
  • Karl: Das klingt alles gut und schön (ein wenig nach Habermas) und...
  • Julia: Die Suche nach wirklich guter moderner Lyrik ist in der Tat...
  • Szusza: da sind gar keine Zuschauer im Bild, schon zu normal für die...
  • faulix: Ich denke von wirklich unabhängig kann man da nicht...
  • wf: @Sophia: Die Ausrichtung des Philo-Studiums an der Uni Osnabrück...

Les-Bar

Stöber-Stüberl

Meta

  • http://www.wikio.de
  • Deutsches Blog Verzeichnis
  • Blogs
  • Philosophy Blogs - Blog Catalog Blog Directory
  • Blogarama - The Blog Directory
  • Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
  • RSS-FEED-WORLD
  • WordPress Blogmap

  • rorty
  • lichtenberg
  • wittgenstein
  • ludwig hohl
  • schmidt-salomon
  • praktische philosophie
  • Michael Pauen
  • haben oder sein amazon
  • popper
  • buddhismus für ungläubige