Texterl zum Tage

Ist der Baum der Erkenntnis einmal vom Weihnachtsschmuck der Phrasendrescherei entblößt, weist er allzu oft ein ärmliches Geäst auf.

Guillaume Paoli




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Der Teufels-Pakt der Rolling Stones

„Durchschnittsgesichter mit einem leichten Stich ins Vulgäre allerdings, aber eben junge Leute mit Sinn für Publikumswirkung, …, Zitterer und Schüttler mit widerspenstigen Haarmähnen, Symbolfiguren eines pubertären Anarchismus … Sie sind mit Absicht ein Bürgerschreck.“

(Der „Rheinische Merkur“ über die Rolling Stones, 1965 / via)

Brian Jones, Mitbegründer der Rolling Stones, war schon tot, im Rausch ertrunken oder mit Gift ermordet (man weiß es ja bis heute nicht), als zu dem Stones-Song „Under my Thumb“ auf dem Altamont-Rockfestival 1969 in Kalifornien der Afroamerikaner Meredith Hunter bei einer Messerstecherei direkt vor der Bühne ums Leben kam. Erstochen wurde er von einem der als Sicherheitskräfte eingesetzten Hells Angels; unmittelbar zuvor hatte Hunter unter Drogeneinfluss eine Schusswaffe gezogen.
Ausgerechnet bei dem Song, dem Brian Jones mit seinem markanten Marimbaphon-Hook in der Originalversion so eine weiche, lasziv-erotische Färbung gegeben hatte. Manche glauben, damals in Altamont sei der Teufel mit im Spiel gewesen und habe für die Unbeschwertheit der 1960er-Jahre die unschuldige Seele der Hippie-Bewegung eingefordert. Doch für die Stones stellte das keine Zäsur dar, sie haben weitergemacht, sich weitergerockt bis in die Gigantomanie der „größten Rock’n’Roll-Band aller Zeiten“ und drohen nun sogar damit, zur Feier ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums demnächst nochmal ihre Senioren-Residenzen mit den Bühnen dieser Welt zu tauschen, mit einem wie immer teuflisch zuckenden Mick Jagger als 70-jährigem Erotik-Wiedergänger.

Von Altamont und dem Pakt der Stones mit dem Teufel erfuhr ich erst einige Jahre danach, als mein freakiger Gitarrenlehrer Hannes, der mich schon für Jimi, den Himmelsküsser begeistert hatte, mir davon erzählte. Zum Beweis legte er „Sympathy for the Devil“ auf den Plattenteller, drehte uns dazu was Feines und wir konnten zusehen, wie nun der Teufel höchstpersönlich auf Jaggers rausgestreckter Zunge tanzte und sich einen runter sang.
Das Ganze habe damit begonnen, erzählte Hannes, dass die Stones den gleichen Vertrag wie ihr Vorbild Robert Johnson, der Grandfather of Blues, unterzeichnet hatten. Der war einst an einer staubigen Strassenkreuzung im Mississippi-Delta dem Teufel begegnet und hatte sich von ihm das Gitarrespielen und einige teuflische Songs zeigen lassen – für seine Seele versteht sich. Und weil mir das, so im Alter von Fünfzehn, eine schöne Geschichte zu sein schien, ist jeder solche Teufel mir seither sympathischer als alle Beatles Engel.


Aus gegebenem Anlass nun also „Under my Thumb“ in einem schwarz-weiß Video von 1966  in recht anständiger Klangqualität, wobei Brian Jones zunächst am Marimbaphon, später dann, nach etwas Schwiegermutter-Anbiederei (weils im Fernsehn war), bei „Paint it black“(ab 6.40) an der Sitar zu sehen und zu hören ist.

wf

1 comment to Der Teufels-Pakt der Rolling Stones

  • Karl

    Stones-Fan oder Beatle zu sein, war ja mal eine Party-existenzielle Frage wie „Bist a Sechzger oder a Bayer?“. In der Fussballsache konntst dir mit der falschen Antwort zwar a Watschn einfangen, beim falschen Musikgeschmack aber hat dich die angehimmelte Party-Queen mit Nichtbeachtung bestraft. Bei uns jedenfalls warst auch mit dem Teufel auf der erotisch sicheren Seite ;-)

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