Texterl zum Tage

Ist der Baum der Erkenntnis einmal vom Weihnachtsschmuck der Phrasendrescherei entblößt, weist er allzu oft ein ärmliches Geäst auf.

Guillaume Paoli




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Nachnotiz zur unsäglichen Sarrazin-Debatte

Man hofft ja doch immer, dass unsägliche Zustände ein baldiges Ende nähmen, doch von einem Abebben der Debatte um Sarrazins dümmlich-krude, faschistoide Thesen konnte in den letzten Tagen keine Rede sein. Mag jemand einwenden, dass die kollektive Empörung über so einen Schwachsinn doch ein gutes Zeichen für einen funktionierenden öffentlichen Diskurs seien, so halte ich entgegen, dass diese Debatte erstens zu den tatsächlichen Sachfragen in Integrationspolitik so gut wie nix beiträgt und dass zweitens ohne die Aufmerksamkeit der wasweißichwievieltausend politisch korrekten Zeitungs- und Blogartikel der Herr S. wenigstens auf dem Großteil der Erstauflage seines nun so wunderbar kostenlos beworbenen Kotzbücherls sitzen geblieben wäre.
Eine Erwähnung des Herrn S. in diesem Blog ist also eigentlich kontraindiziert und auch in Zukunft, versprochen!, wird in diesem Hause dem politischen Stammtischgeschwätz kein anderer Raum als die Gummizelle gewährt, aber heut nehm ich das Übel mal ausnahmsweise in Kauf weil eigentlich zum Anlass, euch den lesenswerten Blog von Robert Misik vorzustellen. Denn der hat zu ebendem Thema ein paar Takte abgelassen, die ich als eine Art Schlusswort zur S-Diskussion gern so unterschreibe und euch hiermit weiterreiche:

Die Freude, andere Menschen verachten zu dürfen

Wie kommen wir eigentlich dazu, uns mit den bizarren Thesen Thilo Sarrazins auseinandersetzen zu müssen? Damit verleiht man ihnen schon den Anschein der Diskussionswürdigkeit.

Die Thesen, die Thilo Sarrazin in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ und in einer Fülle von Interviews seit vergangener Woche ausbreitet, sind derart haarsträubend dämlich, dass sich eine sachliche Auseinandersetzung schier verbietet. Man könnte sich also ironisch auf die Feststellung zurückziehen, dass Sarrazin, sollte Dummheit tatsächlich vererbbar sein, wenigstens kein Vorwurf zu machen ist. Will man aber substanziell etwas zu seinen bizarren Einlassungen sagen, steht man sehr schnell vor der Frage: Verleiht man den Thesen nicht den Anschein der Diskussionswürdigkeit, wenn man versucht, sie zu referieren, zu diskutieren, wenn man auf ihre Unplausibilität hinweist?

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wf

1 comment to Nachnotiz zur unsäglichen Sarrazin-Debatte

  • Hannes

    Ich bin es auch leid ständig über Sarrazins Thesen lesen zu müssen, in dem Wissen, dass sein Buch guten Absatz findet und der Zahlenmensch S. dies wahrscheinlich sehr kühl kalkulierte.

    Die Debatte halte ich dennoch für wichtig und erinnert mich an die Auseinandersetzung mit den Kreationisten – jeder weiß, dass es Schwachsinn ist, trotzdem wird diskutiert und sich an der eigenen Position abgearbeitet.

    Man muss also nicht unbedingt mitdiskutieren, aber verurteilen würde ich die Debatte nun auch nicht.

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