Texterl zum Tage

Wer oft genug ans Hohle klopft, der schenkt der Leere ein Geräusch.

Jochen Malmsheimer


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Nach dem Besuch des Dalai Lama

Die Verwirrung darüber, was man unter „Buddhismus“ eigentlich zu verstehen habe, ist seit dem kürzlichen Besuch des Dalai Lama in Deutschland nicht geringer geworden. Eine Differenzierung zwischen der tibetisch-religiösen „Entartung“ des ursprünglichen Buddhismus und der eigentlichen, durchwegs agnostischen Lehrmeinung Gautamas (die ich am ehesten als ‚Psychologische Erkenntnistheorie‘ bezeichnen möchte) fand in der öffentlichen Rezeotion kaum statt – „DER SPIEGEL“ verstieg sich gar zu der Behauptung, Gautama wollte die Welt nicht verändern und predigte weltabgewandte Innerlichkeit ohne gesellschaftspolitschen, soziokulturellen Anspruch.

Das Gegenteil war (und ist) der Fall: Zwar forderte Gautama weder Revolution noch militanten Widerstand gegen bestehende Herrschaftssysteme durch den Einzelnen, wohl aber zivilen Ungehorsam auf der Grundlage eigener ethischer Einsicht, die sich als Karma-Wirkung, also der Weiterführung bewusster geistiger Prozesse in künftigen Daseinsformen entfaltet.

buddhismus für ungläubige

Wer nun Interesse hat, sich abseits esoterischer und/ oder religiöser Mode-Zugangssichtweisen eines „Buddhismus light“ mit dessen Kerngedanken zu beschäftigen, dem sei als Einstieg das Büchlein „Buddhismus für Ungläubige“ von Stephen Batchelor empfohlen. Weit mehr als nur eine Einführung zeigt dieses Taschenbuch den philosophischen Hintergrund und die weitere Entwicklung von Gautamas Ursprung zu den unterschiedlichen buddhistischen Richtungen auf.
Die zeitlose Tiefe dieser Gedanken antizipiert unsere aktuelle gesellschaftsmoralische Verantwortung und macht für den Einzelnen nachvollziehbare Vorschläge zum immerwährenden „Was kann ich tun?“
Der Autor will sich nicht in theologischen Theorien und esoterischen Spekulationen verheddern, sondern führt die originären Erkenntnisse Gautamas mit den Erfahrungen zusammen, die heute jeder in seinem eigenen Lebensprozess machen kann.
Es ist folglich auch kein Buch über den Buddhismus als Weltreligion, geschweige denn ein Bekehrungsversuch, da sich die festgefahrenen Traditionen des Buddhismus wie bei jeder Religion von der ursprünglich selbstbestimmten, kritischen Spiritualität weit entfernt haben.

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Möglicherweise ist das Buch gerade wieder mal vergriiffen. Alternativ und ebenso unesoterisch beschäftigt sich aber auch Volker Zotz mit der Thematik in dem TB mit dem allerdings unglücklich gewählten Titel: „Mit Buddha das Leben meistern“ – im Untertitel etwas gelungener: „Buddhismus für Praktiker“. Interessanterweise hat Zotz‘ Einstieg vielleicht gerade wegen des Titels eine noch wohlwollendere Kritikerbewertung…

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wf

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