Lösung des Neujahrsrätsels 2019

Es kann eigentlich kaum am Schwierigkeitsgrad der Aufgabe gelegen haben, dass zum diesjährigen Neujahrsrätsel mit der Frage nach Wittgensteins Zug-Geschwindigkeit fast genauso viele falsche wie richtige Antworten eintrudelten. Offenbar wurde da manchmal so aus’m Zugfenster ins Blaue geschätzt, was man ja einerseits verstehen kann bei den heutigen Unwägbarkeiten im Bahnverkehr. Andererseits handelt es sich bei Geschwindigkeiten von Fahrzeugen um ein Alltagsphänomen, von dessen korrekter Berechnung nicht nur der Verkehrsfluss und das Zeitbudget der Reisenden abhängen, sondern oft auch die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer. Ein Grund für das Aufstellen von Radar-Messgeräten und für den alltagstauglichen Physikunterricht in der 8. Klasse, der auch für unseren Fall den richtigen Lösungsansatz liefert:

s = v * t (Strecke = Geschwindigkeit mal Zeit), also
> bei 10 Min. und 2 x 120 km/h: s = (120 + 120)km/h * 10/60h = 40km
> bei 12 Min: 40km = (x + 120)km/h * 12/60h
> x = 80 km/h

Auch wer das Einsetzen in die Formel nicht mehr erinnert hat, konnte mit Logik draufkommen, wie es etwa unser Co-Gewinner Wolfhart Berger ausgeführt hat:

Da zunächst Wittgensteins Zug und die begegnenden Züge mit 120 km/h unterwegs sind, legen sie also in einer Minute 2 km, in 10 Minuten demnach je 20 Kilometer zurück. Die Züge in der Gegenrichtung folgen also in einem Abstand von 40 km aufeinander.
Als sich die Geschwindigkeit „unseres“ Zuges verringert hat, wirkt sich das auf diesen Abstand der begegnenden Züge natürlich nicht aus. Beim Passieren des einen ist der nächste also wieder genau 40 km entfernt. In den nächsten 12 Minuten legt er 24 km zurück, Wittgensteins Zug hingegen die „fehlenden“ 16 km. Die Geschwindigkeit muss demnach 16/12 bzw. 4/3 km/min oder 80 km/h (16×60/12 oder 4/3×60) betragen haben.


wittgenstein sachcomic

Wittgenstein Sachcomic
TibiaPress, 176 Seiten

Auch diesmal hat unsere Losfee aus dem email-Packerl wieder drei Gewinner rausgefischt, alsda:
Wolfhart Berger (Schweinfurt), Marc Bettendorff (Perl) und Jörg Matthée (Breese).
Gewonnen haben sie jeweils ein Sachcomic “Wittgenstein”, freundlicherweise spendiert vom Verlag TibiaPress. Dieses Infocomic zeichnet das spannende, unstete Leben des großen Philosophen, strengen Logikers und gleichzeitig selbstquälerischen Moralisten auf 176 Seiten in Cartoon-bebilderten Szenen mit vielen Original-Textpassagen nach. Ein ungewöhnlicher und unangepasster Denker, der die Philosophie der Neuzeit sowohl mit seinem Früh- wie auch mit seinem Spätwerk nachhaltig beeinflusst hat.
Das nächste Logikrätsel mit Philo-Story-Background gibts hier wie üblich zu Beginn der Sommerferien.

wf