Ausstellung zur Geschichte der Infographik

Für die letzten Ferientage in Bayern bietet sich für alle Graphik- und Kunstinteressierten ein Besuch in der Kunsthalle Memmingen an, wo derzeit in Zusammenarbeit mit der Uni Augsburg eine Ausstellung zur Geschichte der Infographik unter dem Titel “Das Erklären erklären” läuft.

Das älteste Exponat ist von 1851 – eine Sammelmappe mit Blättern zur Astronomie aus einem Atlas für den Schulgebrauch. Die Mappe ist sehr anschaulich gemacht, indem viele der Blätter Ausstanzungen enthalten, die mit buntem Transparentpapier hinterklebt sind. Gegen Licht gehalten, beginnen die Sterne – wie am Firmament – zu erstrahlen.
Natürlich sind Infographiken viel älter und wurden schon lange vor Erfindung der Schrift, vor den sumerischen Keilschrifttafeln und ägyptischen Papyrii, zur Vermittlung von Wissen und Weltanschauungen auf Stein & Fels gezeichnet; man denke an die Höhlenmalereien von Lascaux und andere Steinzeitkinos.

Nun könnte ich hier ja allwöchentlich auf interessante Ausstellungen hinweisen, aber das soll in diesem Blog nicht zu den Schwerpunkten zählen, zumal me & myself (bin ja mindestens zu zweit oder sonst wie viele) eher zu den Unbedarften in Sachen visueller Ästhetik gehören; wenn ich gelegentlich ein paar Takte dazu absondere, ist das einer persönlichen Verbindung, einer Erinnerung oder einem idiosynkratischen philosophischen Gedankenspiel geschuldet. In diesem Fall war’s ein Poster, das in der Ausstellung auch präsentiert wird und das Erinnerungen aus der Kindheit in mir wach rief.

Hatte das Ding lange an der Wand hängen (bevor es durch Poster von Hendrix, Deep Purple & Co ersetzt wurde) und war fasziniert von den Details der “Fließbandproduktion” in unserem Körper, von dem “Debattierclub” im Oberstübchen bis zu den Kurbelwellen des Bewegungsapperats. Freilich damals, ohne an René Descartes‘ Vorstellung des Menschen als von einem mechanisch funktionierenden Organismus zu denken, ohne Fritz Langs Meisterfilmwerk “Metropolis” mit dem Maschinenmenschen Maria gesehen und ohne das Kraftwerk-Album “Die Mensch-Maschine” (von 1978) gehört zu haben – all das tauchte nun erst beim Wiedersehen im Assoziationsfeld auf.

Erstmals erschien „Der Mensch als Industriepalast“ im Jahr 1926 als großformatige Poster-Beilage in Fritz Kahns populärwissenschaftlicher Buchreihe “Das Leben des Menschen” und wurde seither weltweit in unzähligen Medien und Formaten verbreitet. Wer’s seinem Nachwuchs ins Kinderzimmer hängen mag, findet (weils ja inzwischen “gemeinfrei” ist) viele Angebote von Repliken unterschiedlicher Größe im Netz. Oder kann sich’s für den “kleinen Bedarf” hier rauskopieren:

maschine_mensch

Und hier das Ganze nochmal als hübsche Video-Animation:

Ausstellung “Das Erklären erklären”
noch bis 6. Oktober 2013
in der Kunsthalle Memmingen

wf