Adorno-Ausstellung in Berlin

Das Stöbern im Theodor W. Adorno Archiv, einer Einrichtung der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, fördert aufgrund der ungeheuren schriftlichen Hinterlassenschaft immer wieder neue Facetten des Soziologen und Philosophen zu Tage. Einige davon werden nun in einer kleinen Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste gezeigt, überwiegend unpublizierte Dokumente, Bilder und Briefe aus dem Archiv, die einige bisher kaum bekannte Aspekte von Adornos öffentlicher Wirksamkeit neu beleuchten sollen. Darunter befindet sich auch ein Schreiben Adornos an Wilfried Malsch, in dem er seinen Frontalangriff auf die Hölderlin-Deutung von Martin Heidegger (in einem Vortrag bei der Hölderlin-Gesellschaft)  begründet: „Es kam mir darüber hinaus darauf an, den Nimbus zu zerstören, der diesen Mann umgibt, und ganz deutlich zu machen, was er geistig ist: ein von maßloser Herrschgier erfüllter banausischer Bauer.“

adorno

Theodor W. Adorno

Dass sich die Herren Adorno und Heidegger zeitlebens nicht grün waren, ist ja nun ein alter Hut, aber während der “banausische Bauer” jede schriftliche Erwähnung des Kollegen in seinen Werken verweigerte, hat sich Adorno etwa in Vorträgen wie „Die Aktualität der Philosophie“ und auch in seinem Hauptwerk „Negative Dialektik“ immer wieder ausführlich mit Heideggers Gedankenwelt auseinandergesetzt, und wie’s dabei um seine Motivation stand, lässt dieses i-Tüpfelchen durchaus vermuten.

Wer nun von den beiden bei diesem Spielchen Ignoranz gegen Polemik der eitlere Fatzke gewesen sein mag, wird wohl auch diese Ausstellung nicht klären; ist ja nur ein Schnipsel in einer der vielen Vitrinen. Was Kurator Michael Schwarz dort noch alles präsentiert und obs euch darum einen Trip an den Pariser Platz wert ist, könnt ihr schon mal hier vor-lesen.

Adorno in der Akademie der Künste
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Brücke, 10117 Berlin-Mitte
10. Januar 2012 – 06. Mai 2012
Öffnungszeiten: Täglich 10–22 Uhr
Eintritt frei

wf


    Was Adorno in diesem Radiointerview zum Thema »Möglichkeiten der Utopie Heute« 1964 geäußert hat, könnte er fast genauso zu den heutigen Möglichkeiten der Utopien wiederholen: