Texterl zum Tage


Politik ist die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie angeht.

Paul Valéry

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Kurzfilm-Alternativen zum grottigen TV-Programm

„Was aus dem Fernsehen werden mag, lässt sich nicht prophezeien; was es heute ist, hängt nicht an der Erfindung, nicht einmal an den besonderen Formen ihrer kommerziellen Verwertung, sondern am Ganzen, in welches es eingespannt ist.“

(Theodor W. Adorno, aus „Prolog zum Fernsehen“, 1953)

In der Zeit von Weihnachten und Jahreswechsel ist es immer besonders übel, was uns Beitragszahlern in der Glotze an Kitsch und Abgestandenheit von der ‚Kulturindustrie‘ angeboten wird. Um das zu kritisieren, muss man gar nicht mal adornitisch sozialisiert sein, es reicht die Erkenntnis, dass Fernsehen mehr können sollte als die Menschen in ihrer geistigen Passivität zu fixieren und so noch einmal zu dem zu machen, was sie ohnehin sind.
So sah das wohl auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der soeben im Rahmen einer Laudatio auf den ZDF-Fernsehmoderator Claus Kleber vor allem den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kritisierte. Wenn die Medien immer weniger ihrem eigentlichen Auftrag der seriösen Information nachkämen, stelle sich zunehmend die Frage, inwieweit das System der staatlichen Rundfunkgebühren noch gerechtfertigt sei. Auch dem Herrn Kleber scheint beim eigenen Mit-Tun an der quotenorientierten Einschläferunsmaschinerie offenbar nicht recht wohl zu sein, denn seiner Ansicht nach sollten die Medien nicht nur fragen, was die Leute sehen wollen – es müsse auch darum gehen, „was sie sehen sollten“.
Da schau an, nicht nur die Grünen können mit ethischen Lebensgestaltungsvorschlägen aufwarten…

So berechtigt diese Kritik im Prinzip sein mag (auch wenn ein falsches „früher-war-alles-besser“ mitschwingt), sollte man nicht vergessen, dass auch die Öffentlich-Rechtlichen zumindest ein paar Alternativen zu ihrem eigenen Schund anbieten, in Form der ebenfalls von der Allgemeinheit finanzierten Spartensender wie Phoenix, Arte, 3sat und einigen „Dritten“. Eine totale Bevormundung findet also nicht statt und es läge im Möglichkeitsbereich der TV-Regenten, die ‚abseitigen‘ Programme besser zu bewerben und finanziell auszustatten – die Wahl darf schon beim Konsumenten bleiben und dessen Wahlverhalten zu ‚emanzipieren‘ ist (wie in vielen anderen Angelegenheiten auch) in erster Linie eine Bildungsfrage.
By the way: Auch die Zuträger des Systems, die Autoren, Regisseure, Schauspieler et al., könnten da ‚Gutes‘ tun, indem sie sich nicht länger auf Groschenheft-Niveau mit Fremdschäm-Faktor verwursten lassen. Die Rentenkonten zumindest der Erfolgreicheren sollten doch schon ausreichend gefüllt sein und so könnten sie locker ihren Promi-Status für eine Verbesserung der Verhältnisse, sprich: Protest durch Verweigerung, einsetzen. Schund ohne Stars verliert Quote, die an anderen Stellen vielleicht zulegen kann.

Aber zurück ins hier & heute, und zu einem der oben angesprochenen ‚Minderheiten-Programme‘: Als euer Lieblings-Trommler für das Gute, Schöne & Wahre möchte ich Euch wieder mal auf die Arte-Reihe “KurzSchluss” aufmerksam machen, in der allwöchentlich die feinsten Non-Commercials aus aller Welt laufen, hintersinnige filmische Parabeln ebenso wie Groteskes, Verstörendes oder einfach mal stille Poesie – da kann man kitschgefahrlos einschalten und sich überraschen lassen…

Neu in der dortigen Sammlung ist etwa der Clip „Die Leute, die nie anhalten“ des 1985 in Paris geborenen und nun in Tokyo lebenden Regisseurs Florian Piento, in dem er den gleichgültigen und ferngesteuerten ‚Massenmenschen‘ in einer poetischen Animation am Ende mit einer Überraschung (oder gar einer Katastrophe?) aus dem gewohnten Alltagstrott bringt:

 

 

Und für unsere Kleinen ist da auch manch Bestaunenswertes dabei, wie etwa diese tierische Antwort auf die interessante Frage, was denn nachts im Schwimmbad so abgehe, wenn wir Menschlein schlafen:

 

Kurzfilme online sehen via Arte/Kurzschluss

wf

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