Texterl zum Tage


Je planmäßiger der Mensch vorgeht, um so wirkungsvoller trifft ihn der Zufall.

Friedrich Dürrenmatt

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Jazz-Sommer in Kopenhagen

New York? Paris? Berlin? Nein, das wohl weltweit größte Jazzfestival findet allsommerlich in Kopenhagen statt, wenn an zehn Tagen rund 1200 Konzerte an gut 100 Spielstätten stattfinden. Nicht nur in den bekannten wie dem „Copenhagen Jazz House“, dem „Glaspalast im Tivoli“, dem „Jazzhus Montmartre“ oder dem „Jazz Club Christiania“, sondern auch in vielen Cafes, Hotels, Museen, Kultureinrichtungen, in der Oper, in Plattenläden, Parks und sogar in Apotheken und Antiquariaten. Neben internationalen Stars spielen auch zahlreiche Musiker der heimischen Jazzszene, nach den Gigs beschnuppert man sich allerorten bei improvisierten Sessions, Electro meets Ethno und World goes Copenhagen. Viele Konzerte sind kostenlos oder zumindest sehr erschwinglich (oder wie bei den Open Air Konzerten im Tivoli im normalen Eintrittspreis inbegriffen).
Das funktioniert nur, weil der Jazz in Dänemark einen hohen kulturellen Stellenwert genießt und besser gefördert wird als irgendwo sonst. Die Jazzer und Veranstalter im Rest der Welt können da schon ein wenig neidisch auf das dänische Musikgesetz gucken, nach dem Clubs für ihre Jazzprogramme staatliche Zuschüsse beantragen können und auch fast immer erhalten. Zudem wird das Festival auch von der Kommune Kopenhagen und von Organisationen wie dem „Dansk Musiker Forbund“ und der „Danish Jazz Federation“ mitgetragen.
Kein Wunder, dass sich auch viele ‚internationale‘ Jazzer in Kopenhagen niedergelassen haben, Stan Getz hat hier längere Zeit gelebt, Dexter Gordon sogar 14 Jahre, der Schlagzeuger Ed Thigpen arbeitet hier, der Pianist Horace Parlan und viele mehr.
Aber Kopenhagens Anziehungskraft liegt vielleicht nicht nur an den guten musikalischen Rahmenbedingungen, sondern, wie Festival-Leiterin Signe Lopdrup meint, wohl auch an der Toleranz, Weltoffenheit und Freundlichkeit ihrer Bewohner, an so typischen Jazzer-Eigenschaften halt. Obwohl Mitorganisator Bo Stief ja vermutet, die größten Reize böten die vielen blonden Mädchen hier und die Tatsache, dass man sich in der Freistadt Christiania jederzeit gemütlich ein Pfeiferl stopfen kann.
Und wahrscheinlich hätte auch dem Philosophen Søren Kierkegaard, dessen 200. Geburtstag man dort soben feierte, das existenzialistische Jazzer-Motto „Ich improvisiere, also bin ich“ gut gefallen…

Am Freitag, den 12. Juli, gastiert der junge Trompeter Ibrahim Maalouf aus Beirut mit seinem Quintett im „Jazzhouse„. Er verbindet klangästhetische Ansprüche á la Miles Davis mit arabischer Tonalität und melancholischem Suspense zu einem sehr eigenständigen Sound, den er auch in eine ausdrucksstarke Video-Ästhetik einzubetten weiß.

Hier der Titel „Beirut“ vom Album „DIAGNOSTIC“:

Jazzfestival Copenhagen
5.- 14. Juli 2013

wf

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