Texterl zum Tage


Politik ist die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie angeht.

Paul Valéry

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Plugin von Oliver Schlöbe

Causa Guttenberg: Internet gewinnt gegen „Bild“

Wahrscheinlich hätte Sir Karl Popper einige Freude daran, dass sich mit der Beschleunigung des intellektuellen Meinungsaustausches durch das Internet eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung einer ‚Offenen Gesellschaft‚ entwickelt. Auch in der Causa Guttenberg hat das Web einen wichtigen Beitrag geleistet, als „das Licht des Internet in seine Hütte fiel“ (Theo Koll). Zwar nicht als Hauptursache für seinen Fall (die hat sich der Lügenbaron schon selber gebastelt), aber doch als ‚Transparentizer‘ und Katalysator.

Nun ist das endlose Nachtarocken meine Sache nicht und aus künftiger historischer Perspektive mag sich Manches anders darstellen als die heutigen Polit-Stammtische zu besserwissen glauben, doch der Fall des Freiherrn zu Guttenberg gibt wohl nicht nur bald mal eine hübsche Dolchstoßlegende in der CSU-Geschichtsschreibung her, sondern er scheint mir ein weiterer Signifikant des langsamen Wandels unserer öffentlichen Diskussionskultur zu sein, auch hinsichtlich einer erhöhten Achtsamkeit gegenüber den allgegenwärtigen halblegitimen Gaukeleien in einem machtorientierten System politischer (Un-)Moral, das ja in einer Offenen Gesellschaft keinen Halt mehr hätte…

Gestern gab Roger Willemsen, der „sanft-ironische Intellektuelle“, in der „Kulturzeit“ ein Interview, in dem er nicht nur als ausgewiesener Fachmann des biographischen „Knacks“ den Absturz des Höhenfliegers analysierte, sondern auch einen Knacks in der politischen Meinungsbildung durch den Wandel des Medieneinflusses konstatierte: im Fall Guttenberg habe das Internet gewonnen gegen die „Bild“, die den boulevardtauglichen Freiherrn ‚bis zum letzten politischen Atemzug‘ unterstützt hatte.

Ein paar Minuten Willemsen sind gehaltvoller und geistreicher als das vielkanalige stundenlange gestrige Talkrundengeplapper – dem Mann kann man ja meistens gut zuhören, auch wenn man nicht in allen Punkten seine Einschätzung teilt.


Übrigens hat man (natürlich) auch wieder den ‚Volksphilosophen‘ Richard David Precht zum Abgang Guttenbergs befragt – in einem Interview in der Berliner Zeitung

…und bei Carta gibts eine Kommentarschau zum Thema…

wf/ 3sat-Kulturzeit vom 1.3.2011

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