2 Texterl zum Tage

Der Schnee von heute ist der Matsch von morgen.

* * *

Unsterblichkeit wäre die Höchststrafe für das menschliche Dasein.

WF




internes Archiv

20172016201520142013201220112010200920082007

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

Plugin by Oliver Schlöbe

Tom Waits zelebriert die Nonchalance des Pegeltrinkers

Der Mann war schon immer der leibhaftige Schwiegermutter-Albtraum, der lallende Penner mit dem infernalischen Gurgeln aus einer Hinterhofmülltonne, und doch hat er Millionen Platten verkauft – denn er singt, krächzt und bluest herzergreifend für all die Verlorenen und Verwundeten, für die Ausgestoßenen der Bürgergesellschaft und alle Hobos im Geiste, die vom American Dream nicht mal mehr träumen.

Ein US-Musikmagazin schrieb einmal über Tom Waits, seine Stimme klinge so, als habe sie ein paar Monate in einem Whiskey-Fass gelegen, sei dann geräuchert und zuletzt von einem Auto überfahren worden.

Mein persönliches „Erweckungserlebnis“ hatte ich vor 30 Jahren in einer Winternacht im dummerweise noch sommerbereiften Auto, als ich auf einer kleinen Landstraße eingeschneit wurde, nicht mehr vor- oder zurückkam und am Straßenrand auf den nächsten Schneepflug warten mußte. Da lief im Radio „Burma Shave“ und mir liefs nicht nur angesichts der frostig-gruseligen Lebenssituation kalt & heiß durchs Mark. (Ein Teil der 7000 Verse dieser US-Highway-Werbelyrik, die dem imaginären, versifften Kaff in Waits‘ Song den assoziationsgeladenen Namen gaben, sind übrigens in Frank Rowsome Jr.’s Dokumentation „The Verse by the Side of the Road“  in Buchform gesammelt.)

Jetzt wird der Kalifornier, der ja noch nie wirklich jung ausgesehen hat, würdige 60 (am 7. Dezember), weshalb er sich und seinen Fans ein Live-Doppel-Album („Glitter and Doom„) mit neuen Songs & alten Gschichterln spendiert hat und gerade rechtzeitig erschien auch eine 700 Seiten starke Biographie von Barney Hoskyns („Tom Waits. Ein Leben am Straßenrand„), über die sich Bernd Graff in der SZ ein wenig mokiert.

Schon die frühen Live-Auftritte und schwarz-weiß-Videos von Waits waren Mischungen aus Säufer-Melodram und musikalisch unterlegter spoken poetry im Geiste der für Waits prägenden Beat Generation, eigentlich unzumutbar für das kulturindustriell gesteuerte „Qualitätsfernsehen“. Aber die folgende Lyrik-Performance „Emotional Weather Report“ aus dem öffentlich-rechtlichen „Rockpalast“ von 1977 ist kein Fake und dokumentiert, wie provokant und ungelackt Kulturfernsehen in Deutschland mal sein durfte …

(Wenn das Video nicht angezeigt wird, hier klicken!)


Update: In der „ZEIT“ findet Ihr ein aktuelles Interview mit Tom Waits

wf

5 comments to Tom Waits zelebriert die Nonchalance des Pegeltrinkers

Schreibe eine Antwort zu Buchmacher Antwort abbrechen