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	<title>Kommentare zu: Journalisten-Vorurteile gegen die Philosophie des Geistes</title>
	<link>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/</link>
	<description>Notizen, Essays &#038; Reflexionen zu Kultur, Medien und Gegenwartsphilosophie</description>
	<pubDate>Fri, 30 Jul 2010 21:22:03 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Ingo-Wolf Kittel, Augsburg</title>
		<link>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14953</link>
		<author>Ingo-Wolf Kittel, Augsburg</author>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 23:56:49 +0000</pubDate>
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		<description>Volle Zustimmung - für alles, was Du schreibst: bis zum letzten Satz! Solch hochgebildete und umfassend informierte Journalisten wie diesen Helmut Mayer oder differenzierte Schriftsteller wie Jens Johler, der in seinem Krimi "Kritik der mörderischen Vernunft" die Vielschichtigkeit dessen, was durch Hirnforschung alles berührt wird, einzufangen und anzureißen versucht, gibt es leider nicht viele. Meinungsmache scheint nach meinem Eindruck für viele, die die (ver)öffentlich(t)e Meinung machen - vor allem wenn es sich dabei um die eigenen handelt oder eine damit übereinstimmende -, wichtiger zu sein als die differenzierte, in jedem Sinn des Wortes "Vermittlung" verschiedener Auffassungen. Eine derart vermittelnde Tätigkeit verlangt geistige Arbeit: die nicht mit der eigenen Meinung identischen Auffassungen müssten dazu ja erst einmal sachlich richtig erfasst werden...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Volle Zustimmung - für alles, was Du schreibst: bis zum letzten Satz! Solch hochgebildete und umfassend informierte Journalisten wie diesen Helmut Mayer oder differenzierte Schriftsteller wie Jens Johler, der in seinem Krimi &#8220;Kritik der mörderischen Vernunft&#8221; die Vielschichtigkeit dessen, was durch Hirnforschung alles berührt wird, einzufangen und anzureißen versucht, gibt es leider nicht viele. Meinungsmache scheint nach meinem Eindruck für viele, die die (ver)öffentlich(t)e Meinung machen - vor allem wenn es sich dabei um die eigenen handelt oder eine damit übereinstimmende -, wichtiger zu sein als die differenzierte, in jedem Sinn des Wortes &#8220;Vermittlung&#8221; verschiedener Auffassungen. Eine derart vermittelnde Tätigkeit verlangt geistige Arbeit: die nicht mit der eigenen Meinung identischen Auffassungen müssten dazu ja erst einmal sachlich richtig erfasst werden&#8230;</p>
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	<item>
		<title>Von: wf</title>
		<link>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14949</link>
		<author>wf</author>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 19:58:25 +0000</pubDate>
		<guid>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14949</guid>
		<description>Herzlichen Dank für diese aufschlussreiche und ausführliche Kommentierung, lieber Ingo-Wolf Kittel - für interessiert beobachtende Nicht-Insider wird leider auf dem Gebiet der Hirnforschung (und anderer 'Spezial-Wissenschaften') von allen "Leitmedien", nicht nur der SZ, zu wenig Informatives über die aktuelle Forschungsdiskussion angeboten. Dabei sollten sich m.E. diese (noch) meinungs(mit-)bildenden Führungsmedien in der Öffentlichkeit ihrer gesellschaftsethisch-journalistischen Verantwortung stärker bewusst sein. Und sich andererseits nicht über einen Kompetenz- und entsprechenden Publikumsverlust beschweren, wenn ernsthaft Interessierte sich zunehmend ein ausdifferenziertes Bild via Internet erarbeiten, um darauf aufbauend auch die Auswahl ihrer eigenen Primärlektüre treffen zu können.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Herzlichen Dank für diese aufschlussreiche und ausführliche Kommentierung, lieber Ingo-Wolf Kittel - für interessiert beobachtende Nicht-Insider wird leider auf dem Gebiet der Hirnforschung (und anderer &#8216;Spezial-Wissenschaften&#8217;) von allen &#8220;Leitmedien&#8221;, nicht nur der SZ, zu wenig Informatives über die aktuelle Forschungsdiskussion angeboten. Dabei sollten sich m.E. diese (noch) meinungs(mit-)bildenden Führungsmedien in der Öffentlichkeit ihrer gesellschaftsethisch-journalistischen Verantwortung stärker bewusst sein. Und sich andererseits nicht über einen Kompetenz- und entsprechenden Publikumsverlust beschweren, wenn ernsthaft Interessierte sich zunehmend ein ausdifferenziertes Bild via Internet erarbeiten, um darauf aufbauend auch die Auswahl ihrer eigenen Primärlektüre treffen zu können.</p>
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		<title>Von: Ingo-Wolf Kittel, Augsburg</title>
		<link>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14948</link>
		<author>Ingo-Wolf Kittel, Augsburg</author>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 17:52:23 +0000</pubDate>
		<guid>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14948</guid>
		<description>PS Zu Metzinger möchte ich mich nicht weiter äußern als ich es in einem Kommentar zu der überaus feinsinnigen Rezension seines letzten Buches durch den hervorragenden Kenner der Diskussion, den FAZ-Redakteur Helmut Mayer &lt;a href="http://www.faz.net/s/Rub7DA2D1DFEA154E11ACA57DAB6E897D98/Doc~EFC1AAA0A404F4DF6AD1A967EC6B88455~ATpl~Ecommon~Scontent.html"&gt;&lt;i&gt;hier&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; getan habe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>PS Zu Metzinger möchte ich mich nicht weiter äußern als ich es in einem Kommentar zu der überaus feinsinnigen Rezension seines letzten Buches durch den hervorragenden Kenner der Diskussion, den FAZ-Redakteur Helmut Mayer <a href="http://www.faz.net/s/Rub7DA2D1DFEA154E11ACA57DAB6E897D98/Doc~EFC1AAA0A404F4DF6AD1A967EC6B88455~ATpl~Ecommon~Scontent.html"><i>hier</i></a> getan habe.</p>
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		<title>Von: Ingo-Wolf Kittel, Augsburg</title>
		<link>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14947</link>
		<author>Ingo-Wolf Kittel, Augsburg</author>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 17:41:10 +0000</pubDate>
		<guid>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14947</guid>
		<description>In Sachen Hirnforschung scheint mir die ganze Wissenschaftsredaktion der SZ von der Einseitigkeit zu sein, die Martin Urban auszeichnet. Kein Wunder! Hat Urban sie doch lt. Wikipedia-Eintrag zu seiner Person gegründet und 33 Jahre lang geleitet. 

Schon lange kann ich mich der Vermutung nicht erwehren, dass dort wichtigste Veröffentlichungen übergangen oder überhaupt nicht Kenntnis genommen werden. Ich denke z.B. an das von dem Philosophen Dieter Sturma 2006 hrsg. &lt;i&gt;Suhrkamp-Taschenbuch-Wissenschaft 1770&lt;/i&gt; "Philosophie und Neurowissenschaften". Hier diskutieren ein knappes Dutzend zeitgenössischer Philosophen (inkl. eines hoch angesehenen australischen Neurophysiologen) die wichtigsten Fragen, die von der Hirnforschung aufgeworfen werden. 

Dass es davor in der &lt;i&gt;Deutschen Zeitschrift für Philosophie&lt;/i&gt; über zwei Jahrgänge vier ausführliche "Diskussionsrunden" zum Thema "Hirn als Subjekt" gegeben hat, könnte an der Redaktion sogar glatt vorbei gegangen sein ebenso wie die Tatsache, dass ein paar Jahre davor Andreas K. Engel, damals noch ein Mitarbeiter von Wolf Singer in Frankfurt und heute in Hamburg lehrende Neurophysiologe, mit dem Philosophen Peter Gold sogar eine noch umfangreichere interdisziplinäre Diskussion mit Philosophen in dem &lt;i&gt;stw 1381&lt;/i&gt; "Der Mensch in der Perspektive der Kognitionswissenschaften" dokumentiert hat! 

Wenn ich von der Rezension ausgehe, die Martin Urban 2006 von der Festschrift der &lt;i&gt;Frankfurter Wissenschaftlichen Gesellschaft&lt;/i&gt; "Beiträge zu einer aktuellen Anthropologie" erstellt hat, in der u.v.a. "aktuelle evolutions- und neurobiologische Vorstellungen zu einem Menschenbild" diskutiert werden, kann man auf noch weit ungünstigere Gedanken kommen. 

Urban hebt von diesem 440-Seiten Buch praktisch nur den relativ kurzen Beitrag heraus, den Wolf Singer zuerst in erwähnter DZPhil und danach noch an verschiedenen anderen Orten publiziert hatte (ohne das allerdings gutem wissenschaftlichen Brauch entsprechend anzugeben; Urban ist das keiner Erwähnung wert, wenn er davon überhaupt wusste). Den weitaus größten Beitrag des Herausgebers H.-R. Duncker, wie Singer ein Mediziner, erwähnt Urban erst gar nicht, obwohl der in seinem Beitrag trotz vieler Übereinstimmungen mit Singer im Detail zu doch auffällig anderen Schlussfolgerungen kommt als er (übrigens ebenso wie die Entdecker des "mBP", des durch Benjamin Libet auch allgemein bekannt gewordenen motorischen Bereitschaftspotentials, die Neurophysiologen Hans Kornhuber und Lüder Deecke in ihrem Buch "Wille und Gehirn", von dem ich in der SZ bislang auch noch keine Rezension gefunden habe). 

Alle anderen Autoren stellt Urban so hin, als seien sie allesamt durch den von Singer wiedergegebenen "Wissensstands seiner Zunft" (als wenn darin nicht in erster Linie der Stand von Singers eigenes Wissen und Verständnis davon zum Ausdruck käme) persönlich "tief gekränkt", voll "Angst" gar oder "Zorn" oder aber "empört", während "Naturwissenschaftler" wie Urban selbst davon "begeistert" seien; denn Hirnforscher würden nach seiner Einschätzung als philosophiehistorisch offenbar ausreichend kenntnisreicher Physiker "erfolgreich(!) ... versuchen"(!!) Fragen zu beantworten, "mit denen sich die Philosophie seit zweieinhalb Tausend Jahren vergeblich herumschlägt."

Die Tatsache, dass der Marburger Philosoph Peter Janich dem Beitrag von Singer in einer umfangreichen "Fallstudie" dort en détail nachweist, wie wenig der schon elementarsten wissenschaftlichen Kriterien wie ausreichend genauer begrifflicher Klarheit genügt, versucht Urban in seiner Rezension hilflos zu ironisieren. Da versteht sich von selbst, dass bislang weder er selbst, noch irgendein anderer aus der Wissenschaftsredaktion der SZ Janichs Analyse "Zur Sprache der Hirnforschung" rezensiert hat, die vor gut einem halben Jahr in der "edition unseld" des Suhrkamp-Verlags unter dem erkennbar gezielt gegen Wolf Singer gerichteten Titel "Kein neues Menschenbild" erschienen ist. 

Vielleicht sollte auch erwähnt werden, dass in der SZ m.W. anders als z.B. in der FAZ oder NZZ auch noch nie die im englischsprachigen Raum verbreitete Kritik an den Grundlagen der Hirnforschung vorgestellt worden ist: etwa die Werke "Philosophical Foundations of Neuroscience" und "History o Cognitive Neuroscience" von dem Hirnforscher Maxwell Bennett, die dieser über Australien hinaus weithin bekannte Wissenschaftler  in Auseinandersetzung und Kooperation mit dem Oxforder Philosophen Peter M.S. Hacker erarbeitet hat,

Nicht einmal die Tatsache, dass die Wissenschaftsredaktion mit Markus C. Schulte von Drach einen studierten Biologen im Team hat, kommt in der SZ zum Tagen: ich habe jedenfalls über die Jahre keinerlei Hinweise dafür gefunden, dass die, für die gesamten sog. "kognitiven" Neurowissenschaften grundsätzliche Kritik an der "Erklärung des Psychischen aus der Biologie" von Manfred Velden dort bekannt sein könnte, wie überhaupt die Kritik an den verblüffend platten psychologischen Vorstellungen von Hirnforschern und "Neuro"-Philosophen in ihrem Gefolge von Seiten der akademischen Psychologie von Wissenschaftsredakteuren auch in der SZ praktisch nicht wahrgenommen wird. Dabei hat Velden sein Buch unter dem nicht gerade unprovokativen und anspielungsfreien Titel veröffentlicht "Biologismus – Folge einer Illusion"!

Ich mache mir jedenfalls keine Hoffnung, in der SZ ein auch nur annähernd sachlich zutreffendes Bild von der realen wissenschaftlichen Diskussion der Hirnforschung vermittelt zu bekommen. Ich erwarte dort nicht einmal eine Rezension des im September eben erschienenen Buches "Was können wir wissen? Was sollen wir tun?", in dem der Mitherausgeber Geert Keil, der in Aachen Philosoph lehrt, die ebenso zentrale wie wichtigste Frage diskutiert "Ich und mein Gehirn: Wer steuert wen?" (Übrigens neben einem Beitrag zum Schuldprinzip und der Willensfreiheit! Darüber, dass dieser kenntnisreiche Philosoph eine Monographie zur Willensfreiheit verfasst hat, wurde in der SZ m.W. auch noch nie berichtet.) 

Der Wissenschaftsjournalismus hierzulande lässt mehr als zu wünschen übrig.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>In Sachen Hirnforschung scheint mir die ganze Wissenschaftsredaktion der SZ von der Einseitigkeit zu sein, die Martin Urban auszeichnet. Kein Wunder! Hat Urban sie doch lt. Wikipedia-Eintrag zu seiner Person gegründet und 33 Jahre lang geleitet. </p>
<p>Schon lange kann ich mich der Vermutung nicht erwehren, dass dort wichtigste Veröffentlichungen übergangen oder überhaupt nicht Kenntnis genommen werden. Ich denke z.B. an das von dem Philosophen Dieter Sturma 2006 hrsg. <i>Suhrkamp-Taschenbuch-Wissenschaft 1770</i> &#8220;Philosophie und Neurowissenschaften&#8221;. Hier diskutieren ein knappes Dutzend zeitgenössischer Philosophen (inkl. eines hoch angesehenen australischen Neurophysiologen) die wichtigsten Fragen, die von der Hirnforschung aufgeworfen werden. </p>
<p>Dass es davor in der <i>Deutschen Zeitschrift für Philosophie</i> über zwei Jahrgänge vier ausführliche &#8220;Diskussionsrunden&#8221; zum Thema &#8220;Hirn als Subjekt&#8221; gegeben hat, könnte an der Redaktion sogar glatt vorbei gegangen sein ebenso wie die Tatsache, dass ein paar Jahre davor Andreas K. Engel, damals noch ein Mitarbeiter von Wolf Singer in Frankfurt und heute in Hamburg lehrende Neurophysiologe, mit dem Philosophen Peter Gold sogar eine noch umfangreichere interdisziplinäre Diskussion mit Philosophen in dem <i>stw 1381</i> &#8220;Der Mensch in der Perspektive der Kognitionswissenschaften&#8221; dokumentiert hat! </p>
<p>Wenn ich von der Rezension ausgehe, die Martin Urban 2006 von der Festschrift der <i>Frankfurter Wissenschaftlichen Gesellschaft</i> &#8220;Beiträge zu einer aktuellen Anthropologie&#8221; erstellt hat, in der u.v.a. &#8220;aktuelle evolutions- und neurobiologische Vorstellungen zu einem Menschenbild&#8221; diskutiert werden, kann man auf noch weit ungünstigere Gedanken kommen. </p>
<p>Urban hebt von diesem 440-Seiten Buch praktisch nur den relativ kurzen Beitrag heraus, den Wolf Singer zuerst in erwähnter DZPhil und danach noch an verschiedenen anderen Orten publiziert hatte (ohne das allerdings gutem wissenschaftlichen Brauch entsprechend anzugeben; Urban ist das keiner Erwähnung wert, wenn er davon überhaupt wusste). Den weitaus größten Beitrag des Herausgebers H.-R. Duncker, wie Singer ein Mediziner, erwähnt Urban erst gar nicht, obwohl der in seinem Beitrag trotz vieler Übereinstimmungen mit Singer im Detail zu doch auffällig anderen Schlussfolgerungen kommt als er (übrigens ebenso wie die Entdecker des &#8220;mBP&#8221;, des durch Benjamin Libet auch allgemein bekannt gewordenen motorischen Bereitschaftspotentials, die Neurophysiologen Hans Kornhuber und Lüder Deecke in ihrem Buch &#8220;Wille und Gehirn&#8221;, von dem ich in der SZ bislang auch noch keine Rezension gefunden habe). </p>
<p>Alle anderen Autoren stellt Urban so hin, als seien sie allesamt durch den von Singer wiedergegebenen &#8220;Wissensstands seiner Zunft&#8221; (als wenn darin nicht in erster Linie der Stand von Singers eigenes Wissen und Verständnis davon zum Ausdruck käme) persönlich &#8220;tief gekränkt&#8221;, voll &#8220;Angst&#8221; gar oder &#8220;Zorn&#8221; oder aber &#8220;empört&#8221;, während &#8220;Naturwissenschaftler&#8221; wie Urban selbst davon &#8220;begeistert&#8221; seien; denn Hirnforscher würden nach seiner Einschätzung als philosophiehistorisch offenbar ausreichend kenntnisreicher Physiker &#8220;erfolgreich(!) &#8230; versuchen&#8221;(!!) Fragen zu beantworten, &#8220;mit denen sich die Philosophie seit zweieinhalb Tausend Jahren vergeblich herumschlägt.&#8221;</p>
<p>Die Tatsache, dass der Marburger Philosoph Peter Janich dem Beitrag von Singer in einer umfangreichen &#8220;Fallstudie&#8221; dort en détail nachweist, wie wenig der schon elementarsten wissenschaftlichen Kriterien wie ausreichend genauer begrifflicher Klarheit genügt, versucht Urban in seiner Rezension hilflos zu ironisieren. Da versteht sich von selbst, dass bislang weder er selbst, noch irgendein anderer aus der Wissenschaftsredaktion der SZ Janichs Analyse &#8220;Zur Sprache der Hirnforschung&#8221; rezensiert hat, die vor gut einem halben Jahr in der &#8220;edition unseld&#8221; des Suhrkamp-Verlags unter dem erkennbar gezielt gegen Wolf Singer gerichteten Titel &#8220;Kein neues Menschenbild&#8221; erschienen ist. </p>
<p>Vielleicht sollte auch erwähnt werden, dass in der SZ m.W. anders als z.B. in der FAZ oder NZZ auch noch nie die im englischsprachigen Raum verbreitete Kritik an den Grundlagen der Hirnforschung vorgestellt worden ist: etwa die Werke &#8220;Philosophical Foundations of Neuroscience&#8221; und &#8220;History o Cognitive Neuroscience&#8221; von dem Hirnforscher Maxwell Bennett, die dieser über Australien hinaus weithin bekannte Wissenschaftler  in Auseinandersetzung und Kooperation mit dem Oxforder Philosophen Peter M.S. Hacker erarbeitet hat,</p>
<p>Nicht einmal die Tatsache, dass die Wissenschaftsredaktion mit Markus C. Schulte von Drach einen studierten Biologen im Team hat, kommt in der SZ zum Tagen: ich habe jedenfalls über die Jahre keinerlei Hinweise dafür gefunden, dass die, für die gesamten sog. &#8220;kognitiven&#8221; Neurowissenschaften grundsätzliche Kritik an der &#8220;Erklärung des Psychischen aus der Biologie&#8221; von Manfred Velden dort bekannt sein könnte, wie überhaupt die Kritik an den verblüffend platten psychologischen Vorstellungen von Hirnforschern und &#8220;Neuro&#8221;-Philosophen in ihrem Gefolge von Seiten der akademischen Psychologie von Wissenschaftsredakteuren auch in der SZ praktisch nicht wahrgenommen wird. Dabei hat Velden sein Buch unter dem nicht gerade unprovokativen und anspielungsfreien Titel veröffentlicht &#8220;Biologismus – Folge einer Illusion&#8221;!</p>
<p>Ich mache mir jedenfalls keine Hoffnung, in der SZ ein auch nur annähernd sachlich zutreffendes Bild von der realen wissenschaftlichen Diskussion der Hirnforschung vermittelt zu bekommen. Ich erwarte dort nicht einmal eine Rezension des im September eben erschienenen Buches &#8220;Was können wir wissen? Was sollen wir tun?&#8221;, in dem der Mitherausgeber Geert Keil, der in Aachen Philosoph lehrt, die ebenso zentrale wie wichtigste Frage diskutiert &#8220;Ich und mein Gehirn: Wer steuert wen?&#8221; (Übrigens neben einem Beitrag zum Schuldprinzip und der Willensfreiheit! Darüber, dass dieser kenntnisreiche Philosoph eine Monographie zur Willensfreiheit verfasst hat, wurde in der SZ m.W. auch noch nie berichtet.) </p>
<p>Der Wissenschaftsjournalismus hierzulande lässt mehr als zu wünschen übrig.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: urb</title>
		<link>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14712</link>
		<author>urb</author>
		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 22:56:00 +0000</pubDate>
		<guid>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14712</guid>
		<description>@ wf: Da bin ich vollkommen d'accord: Der Dialog zwischen Natur- und Geisteswissenschaft ist absolut notwendig http://www.bundesquadratur.de/u-blog/2009/10/05/hirn-denkt-sich-selbst/! Metzinger bringt es auf den Punkt, wenn er durch die naturalistische Wende eine Welle der Desäkularisierung, der Gegenaufklärung befürchtet. "Es geht darum, eine gewisse Qualität der Offenheit nicht zu verlieren. Wir stehen noch immer vor einem riesigen Ozean von Nichtwissen – vielleicht werden wir nach dem Durchmarsch der Neurowissenschaft Antworten finden, für die wir jetzt nicht einmal die Fragen formulieren können." (Interview in der Zeit) Ich befürchte eine solche Bescheidenheit ziert Roth und Singer nicht. Gruß urb</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@ wf: Da bin ich vollkommen d&#8217;accord: Der Dialog zwischen Natur- und Geisteswissenschaft ist absolut notwendig <a href="http://www.bundesquadratur.de/u-blog/2009/10/05/hirn-denkt-sich-selbst/" rel="nofollow"></a><a href='http://www.bundesquadratur.de/u-blog/2009/10/05/hirn-denkt-sich-selbst/'>http://www.bundesquadratur.de/u-blog/2009/10/05/hirn-denkt-sich-selbst/</a>! Metzinger bringt es auf den Punkt, wenn er durch die naturalistische Wende eine Welle der Desäkularisierung, der Gegenaufklärung befürchtet. &#8220;Es geht darum, eine gewisse Qualität der Offenheit nicht zu verlieren. Wir stehen noch immer vor einem riesigen Ozean von Nichtwissen – vielleicht werden wir nach dem Durchmarsch der Neurowissenschaft Antworten finden, für die wir jetzt nicht einmal die Fragen formulieren können.&#8221; (Interview in der Zeit) Ich befürchte eine solche Bescheidenheit ziert Roth und Singer nicht. Gruß urb</p>
]]></content:encoded>
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	<item>
		<title>Von: wf</title>
		<link>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14596</link>
		<author>wf</author>
		<pubDate>Sun, 25 Oct 2009 11:31:53 +0000</pubDate>
		<guid>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14596</guid>
		<description>@ urb: Sicherlich ist die universitäre Fachphilosophie in Deutschland auch heute noch weltfremder als bsw. im angloamerikanischen Raum, wo die stärkere logisch-analytische Ausrichtung des Denkens mindestens seit Russell naturwissenschaftliche Entwicklungen adaptiert hat (wie wichtig dort die Empirie ist, zeigt sich an der mittlerweile hohen Akzeptanz der ernsthaft betriebenen 'Experimentellen Philosophie' in den USA). 
Aber gerade damit nicht "philosophische Fragen vorschnell und zu unrecht unter den Teppich gekehrt werden", halte ich es für sinnvoll, die zarten Pflänzchen der Annäherung von Geistes- und Naturwissenschaften positiv hervorzuheben und nicht wegzureden wie Martin Urban in seiner Rezi. Dass den Naturwissenschaften dabei keine arrogante Führungsrolle zusteht, ergibt sich natürlich aus der von dir mit Recht angesprochenen Begrenztheit unseres Wissens, so dass beiden Seiten im Vorantasten wohl ein Schuss (selbst-)kritischer Rationalismus á la Popper ganz gut bekäme.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@ urb: Sicherlich ist die universitäre Fachphilosophie in Deutschland auch heute noch weltfremder als bsw. im angloamerikanischen Raum, wo die stärkere logisch-analytische Ausrichtung des Denkens mindestens seit Russell naturwissenschaftliche Entwicklungen adaptiert hat (wie wichtig dort die Empirie ist, zeigt sich an der mittlerweile hohen Akzeptanz der ernsthaft betriebenen &#8216;Experimentellen Philosophie&#8217; in den USA).<br />
Aber gerade damit nicht &#8220;philosophische Fragen vorschnell und zu unrecht unter den Teppich gekehrt werden&#8221;, halte ich es für sinnvoll, die zarten Pflänzchen der Annäherung von Geistes- und Naturwissenschaften positiv hervorzuheben und nicht wegzureden wie Martin Urban in seiner Rezi. Dass den Naturwissenschaften dabei keine arrogante Führungsrolle zusteht, ergibt sich natürlich aus der von dir mit Recht angesprochenen Begrenztheit unseres Wissens, so dass beiden Seiten im Vorantasten wohl ein Schuss (selbst-)kritischer Rationalismus á la Popper ganz gut bekäme.</p>
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	</item>
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		<title>Von: urb</title>
		<link>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14592</link>
		<author>urb</author>
		<pubDate>Sat, 24 Oct 2009 23:20:39 +0000</pubDate>
		<guid>http://oxnzeam.de/2009/10/23/journalisten-vorurteile-gegen-die-philosophie-des-geistes/#comment-14592</guid>
		<description>Hallo Herr Friebel, interessantes Buch von Metzinger, das bereits auf meiner Lektüreliste steht. Ich bin zwar nicht ganz so optimistisch wie Sie in der Einschätzung der bestallten Philosophen - ich denke, hier gibt es noch sehr viel metaphysische Traditionshuberei, von der die von Ihnen genannten zweifellos nicht betroffen sind. Aber die Rolle der Naturwissenschaften ist m.E. um vieles rückschrittlicher einschätzen. Ich empfinde den Positivismus, mit dem philosophische Fragen vorschnell und zu unrecht unter den Teppich gekehrt werden, als Ekel erregend und keineswegs zielführend. Die Emergenz der neuronalen Systeme ist bei weitem noch nicht begriffen und die Freiheit, nach Gründen zu entscheiden, noch lange nicht verabschiedet. Gruß urb (Hyperbaustelle)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo Herr Friebel, interessantes Buch von Metzinger, das bereits auf meiner Lektüreliste steht. Ich bin zwar nicht ganz so optimistisch wie Sie in der Einschätzung der bestallten Philosophen - ich denke, hier gibt es noch sehr viel metaphysische Traditionshuberei, von der die von Ihnen genannten zweifellos nicht betroffen sind. Aber die Rolle der Naturwissenschaften ist m.E. um vieles rückschrittlicher einschätzen. Ich empfinde den Positivismus, mit dem philosophische Fragen vorschnell und zu unrecht unter den Teppich gekehrt werden, als Ekel erregend und keineswegs zielführend. Die Emergenz der neuronalen Systeme ist bei weitem noch nicht begriffen und die Freiheit, nach Gründen zu entscheiden, noch lange nicht verabschiedet. Gruß urb (Hyperbaustelle)</p>
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