Der Himmelsküsser
Der in den 1960er-Jahren musikalisch sozialisierte Kulturphilosoph Klaus Theweleit hat zusammen mit Rainer Höltschl eine neue Jimi-Hendrix-Biographie vorgelegt, die heute von Willi Winkler in der Süddeutschen Zeitung besprochen wurde.
Aus der Sicht von Groß-Fans wie Theweleit, Höltschl, meiner Wenigkeit und tausenden anderer Verehrer ist klar, dass es sich bei der Niederkunft des Gitarrengottes auf diese Menschenwelt keinesfalls um ‘Rebirthing’ handeln konnte, da es Vergleichbares zur Entfaltung einer derartigen Karmawirkung vorher nicht gegeben hatte ;-))
Ein glaubwürdigerer Seinsgrund für dieses ins Transzendente reichende Zauberspiel ist die Version, die Hendrix selber gern verbreitete, dass ihn nämlich “Außerirdische auf einer Parkbank in Birmingham abgesetzt hätten, dass er also, vaterlos, mutterlos, schwerelos, wie er war, gar nicht anders konnte als zur Gitarre zu greifen und das zu spielen, was ihm fehlte: der Weltraum, das All, das Fernferne da draußen. ‘xcuse me while I kiss the sky.”
Und natürlich machte er sich lang schon wieder vom Menschenacker, bevor die epigonalen Pragmatiker der Rockmusik auf uninspirierten Verzweiflungs-Revival-Tourneen rumzuhampeln begannen oder nun bei Gottschalk als Wettpaten die anarchistischen Ideale für Quote und Gnadenbrot verraten - too old to die young…
Zu Hendrix’ Lebzeiten war ich noch etwas zu jung für die Droge des hippieerweiterten Denkens und Fühlens, doch als ich mein Kinderakkordeon gegen die erste Gitarre eintauschte, empfand ich jenen genialen Lärm als rebellische und einzig legitime Ansage gegen musikalische Spießbürgerlichkeit, gegen das ganze Ohrwurmgesäusel, Polkagehopse und Dschingderassabumm des links-zwo-drei-vier meiner Kindheit.
Dieser Stoff, mit dem der irrationale Himmelsküsser freakige Jugendträume befeuerte, wirkt auch heute noch, wie die Zugriffszahlen und Top-Bewertungen Hunderttausender YouTuber zeigen. Am Nachhaltigsten vielleicht in seinen lasziv-melancholischen, filigranen Songs aus einer Traumzeit in Trance wie etwa The Wind Cries Mary (live at Monterey 1967):
SZ-Rezension von Willi Winkler
wf


















Dezember 30th, 2008 at 12:04
Jimi, du bist Gott!!! Wir lieben dich! 10x für das Video und den Artikel!