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Das Ärgerlichste in dieser Welt ist, dass die Dummen todsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind.
 Bertrand Russell

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Pfingstfreuden

Pfingsten war schon immer cool. Richtig zum Relaxen, wie etwa bei den alten Israeliten, bei denen es noch Schawuot hieß, der Tag des Lesens, an dem Milch und Honig floss. Die Christen hatten ja dann die gute Idee, diesen Bildungsgedanken aufzunehmen und alle Jesusfans mit Erleuchtung durch den Geist und die Macht der Sprache zu erfüllen. So wie’s der moderne Schüler auch gern hätt, mit „einem plötzlichen Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind.“
( Apostelgeschichte 2,1-4)

giotto

Pfingstfete bei Giotto

Schon damals klang die Einladung Gottes zu dieser Fete ziemlich ‚amtlich‘ und verlockend: „Eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen.“ (-Joel 3,1-5)

Auch der gute Kant, der ja in metaphysischen Angelegenheiten ein Zerrissener war, lehnte prinzipiell die Idee der geistigen Erleuchtung durch „das Ding an sich“ nicht ab, wie auch Aristoteles, Hegel, Herder und Goethe „Weltgeist“ und „Weltseele“ als ultima ratio der Menschwerdung vorausfeierten. Nur die Klassenbösewichte Marx und Engels hegten seinerzeit schon die Befürchtung, der „Weltgeist“ sei bereits in der Fratze des globalisierten Kapitalmarktes herniedergekommen.
Als Buben, lang vor dem Abi, scherte uns das noch wenig – da war an Pfingsten immer Zeltlager angesagt, wo man den benachbarten christlichen Pfadfindern nächtens das Lagerfähnlein stibizen konnte, um ihnen Tags darauf genüsslich beim Straf-Holzhacken zuzuhören.

Etwas älter, machten wir Jungs uns dann in der Pfingstnacht an das „Birkenstecken“, wobei wir unserer jeweiligen Angebeteten eine kleine Birke an die Hauswand stellten, um ihr so unsere frühlingshaften Gelüste zu offenbaren. Bei mir führte das allerdings nie zu einem befriedigenden Ergebnis, da es in unserer Gegend gleichzeitig den Brauch der „Unruhnacht“ gab, woanders auch als „Pfingststehlen“ bekannt. Eigentlich hätten damit bloß böse Geister ausgetrieben werden sollen, aber meine Birke war halt auch immer weg.
Na, und heute? Da ruf ich den Heiligen Geist gern mal ein Stündlein zu mir, damit mein Geschreibsel wenigstens mit einem Hauch von Esprit durchzogen sei…

wf

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