Texterl zum Tage

Ohne Heimat sein heißt leiden.

Fjodor Dostojewski




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Ach du liebes Seelchen

Von wem, glauben Sie, stammt das Bonmot „Wenn der Glaube nicht durch das Nadelöhr der Vernunft geht, hat er verloren“? Ha, wahrscheinlich falsch geraten! Das sagte nämlich die katholische (!) Theologin Saskia Wendel im gestrigen ZDF-Nachtstudio zum Thema „Ist die Seele unsterblich?“
Das glauben laut einer aktuellen SPIEGEL-Umfrage immerhin 52% der Deutschen, was für Volker Panzer und seine Gäste eine prima Diskussionsvorlage bot, um den Mem-Komplex „Seele“ auf Bedeutungsgehalt, kulturhistorische Genealogie und naturwissenschaftliche Rezeption abzuklopfen.
Konkreter Anlass war die Buchveröffentlichung des SPIEGEL-Kulturredakteurs Mathias Schreiber „Was von uns bleibt. Über die Unsterblichkeit der Seele.“, in dem er nach den Chancen dieser Vorstellungen im modernen Leben frägt – und nach der Bedeutung der neueren Hirnforschung, die eine unsterbliche Seele als Hirngespinst abtut.

tod jagt seeleDie lockere Kaminfeuer-Runde wurde komplettiert von dem „gedankenlesenden“ Hirnforscher John-Dylan Haynes, dem Wiener Philosophen Thomas Macho (dem wie immer der phänomenologische Schmäh im Nacken saß) und dem CERN-Teilchenphysiker Rolf Landua, der etwa einräumte, dass wohl auch die Milliardenausgaben für die Erkundung eines Billionstel-Sekunden-Zeitraums nicht zur Entdeckung einer „Seele“ führen würden.
Richtig nett und intelligent wurde da geplaudert, vor allem Saskia Wendel sammelte Bonusmeilen für die Theologenzunft in der Aufgeklärtheitsreputation; für sie sei die „Seele“ nur eine Metapher für die individuell-selbstbewussten Daseinsmöglichkeiten des Einzelnen (spontaner Fernsehsessel-Applaus meinerseits).

Ob Sie nun wie Schreiber glauben, der ‚Göttliche Funke‘ sei aus naturwissenschaftlichen Konzepten nicht ableitbar oder eine dezidiert aufgeklärte Weltsicht für sich beanspruchen – jedenfalls lohnt sich schon wegen des Amusementfaktors die Investition in dieses mediathek-Stündlein (in dem es natürlich auch um selbiges ‚letztes‘ ging). Man kann ja auch mal über Abstraktionen meditieren, die vielleicht so sinnlos gar nicht sind. Im Geiste Pascals, der einst schon anmerkte: „Wir können uns die Zahl ‚Unendlich‘ zwar nicht vorstellen, aber deshalb ist sie nicht unsinnig“.

Nachtstudio-Video vom 20.4.08 in der mediathek

wf

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