Texterl zum Tage

Wer oft genug ans Hohle klopft, der schenkt der Leere ein Geräusch.

Jochen Malmsheimer


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Wir gegen die Gier

„Der Glaube, dass Wissenschaft und Technologie die Erde vor den Folgen des Klimawandels bewahren wird, ist irreführend. Nichts wird unsere Kinder und Kindeskinder vor einer irdischen Hölle retten.
Es sei denn: Wir organisieren den Widerstand gegen die Gier des globalen Kapitalismus.“

joseph weizenbaum

Joseph Weizenbaum

Derart klare Worte findet Joseph Weizenbaum, Professor am MIT und seit Jahrzehnten einer der führenden Kognitions- und Informatikwissenschaftler (KI-Programm „ELIZA“) im heutigen Kultur-Essay der „Süddeutschen Zeitung“ zu der brisanten Frage, inwieweit wir den absolutistischen Heilsversprechen der modernen Naturwissenschaften vertrauen können.
„Die komplette Kenntnis der physikalischen, genetischen, neurologischen Strukturen eines Lebewesens genügen nicht, um das Lebewesen zu verstehen.“, fährt er fort und begründet seine Einschätzung, dass die Naturwissenschaften nicht die einzige Quelle der Wahrheit seien, da ihr Fundament der Glaube sei; nämlich der Glaube, dass die Naturgesetze – nicht nur die, die wir heute kennen – im totalen Raum und seit Anbeginn und bis in die ewige Zukunft herrschen. Doch kein Experiment könne diesen Glauben verifizieren. Daraus folge, dass die Naturwissenschaft sowie die von ihr abgeleiteten Technologien nicht wertfrei seien.

„In einer Gesellschaft, deren Werte hauptsächlich vom Streben nach Reichtum und Macht abgeleitet sind, sind sie entsprechend gestaltet. Die Werte der Wissenschaft, eingebettet in eine vernünftige Gesellschaft, würden vernünftig, also human sein. Dann würden die von ihr abgeleiteten Technologien nicht mehr dem Tod dienen, sondern dem Leben.“
Würde die weltweite Gesellschaft nur vernünftig sein, könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus dieser Erde ein Paradies machen, denn „das Maß der Wahrheit des produzierten Wissens hängt von der Qualität der angewandten Interpretation ab“.
Weizenbaum, der heute seinen 85sten feiert, gehört jedenfalls zu den Gutmeinenden, die sich mit humanistischer Skepsis Gedanken machen über die Vergötzung des Physikalismus, die Metaphorik unserer Wissensbegriffe und die Interpretationsmöglichkeiten jeglicher allzu vager Information. Beinahe ein Philosoph, wenn er vermutet: „Sehr vieles ist darstellbar durch die Naturwissenschaften, aber nicht die lebende Wahrheit.“

Publikationen von Joseph Weizenbaum

SZ-Artikel vom 8.1.08

wf

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