Texterl zum Tage

Wer oft genug ans Hohle klopft, der schenkt der Leere ein Geräusch.

Jochen Malmsheimer


Wem’s hier gefällt…




internes Archiv

20172016201520142013201220112010200920082007

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

Plugin by Oliver Schlöbe

Ludwig Hohls Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung

Weil grad die richtige Lesezeit losgeht und man ja nie genug guten Stoff auf’m Nachtkastl haben kann, möcht ich euch heute einen außergewöhnlichen, trotz Petrarca-Preis einer breiten Leserschaft kaum bekannten, dafür von Kennern schon fast als ‚Klassiker‘ geschätzten Schweizer Autor vorstellen.

ludwig hohlLudwig Hohl gehört nach wie vor zu meinen Favoriten, wenn ich ’n Kick im Schreib- oder Lese- oder Unruhe-Kopf suche. Sein Hauptwerk „Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung“ liegt bei mir immer im Nachtkästchen – für den Fall kopfmäßiger Leere bei gleichzeitiger Lust auf’n Schuß Boshaftigkeit…
Hohl hat als Form für seine literarisch-philosophische Arbeit eine genre-überschreitende Mischung gewählt:
Aphorismus, Traktat, Kurzprosa, Gedicht, Zitat – Alles fügt sich zu einem offenen Schreibsystem mit dennoch inhaltlich und formal aufeinander abgestimmten Texten in verschiedenen Abschnitten zusammen („Vom Arbeiten“, „Vom Unerreichbaren und Erreichbaren“, „Vom Schreiben“, „Vom Tod“ etc.).

Seine Sprache ist so genau, daß sie wie gemeißelt wirkt und doch lebt dieses organisch gewachsene und durchdachte Gebilde von einer erfrischenden Subjektivität.
Er wollte nie als Aphoristiker bezeichnet werden, als zu komplex sah er seine Schreibe an, – und dennoch: Man kann auch Einzelnes von ihm herausgreifen und sich eben diesen Kick damit „hohlen“, von Lichtenberg, Proust, Goethe und Anderen freundlich mitgegrüßt.

Lassen wir ihn selbst ein paar Sätze aus seinen „Notizen“ dazu sagen:

„Einer von den großen Unglücksfällen ist, dass die Menschen nicht Reden wollen.
Nur Schwatzen oder Schweigen.“

„Und Schweigen, sagen sie, sei Gold. Wie gewaltig muss das Minus ihres Redens sein, dass ihm gegenüber schon das Nichts gleich Gold zu setzen ist.“

„Die ganze Kunst des Schreibens besteht darin, dass man kein Wort verwendet ohne volle Verantwortung.“


Website zu Ludwig Hohl nebst Filmdokument

Suhrkamp Verlag – mehr zum Buch…

wf

3 comments to Ludwig Hohls Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung

  • Matthias Keller

    Obwohl ich eingeschworener „Hohlist“ bin, hab ich noch nie ein Filmdokument von ihm gesehen. Da kommt das Revoluzzerhafte irgendwie schon rüber.
    Danke für den Link!

  • Philosophische Schnipsel

    […] Scham und den Schwätzer ein geifernder Spott. Du aber in deiner Ecke nahmst kurz den Blick aus den Notizen und […]

  • […] hochgeschätzte, kaum bekannte Schweizer Autor Ludwig Hohl (1904 – 1980), von dem hier schon öfter die Rede war, hat in seinen “Notizen” dem Thema Arbeit ein ganzes Kapitel […]

Schreibe eine Antwort zu Matthias Keller Antwort abbrechen